Leserbrief an den Münchner Merkur 13.3.2010

Ich werde es der katholischen Kirche nie verzeihen, dass wir bereits als neunjährige Buben zur ersten heiligen Beichte gezwungen wurden, um uns mit Geboten zu konfrontieren, die in einem Kind ein unnötiges schlechtes Gewissen und psychische Ängste erzeugen müssen. Mit Schaudern denke ich zurück an die Gewissenserforschung bezüglich des 6. Gebotes:

Habe ich Unkeusches gerne gedacht? und mit öfters gewünscht? manchmal gehört? öfters geredet? öfters angeschaut? ein paar Mal getan? (Allein? Mit anderen?) ein paar Mal beantwortete.

Damit hat die katholische Kirche zu meinem späteren verklemmten Sexualverhalten beigetragen, das mich ein Leben lang verfolgt. Ganz zu schweigen von den vielen Prügeln, die wir in der Religionsstunde erleiden mussten. Wenn ich jetzt mit Abscheu lese, dass die Richter zu Gerichteten werden, fällt mir nur noch der Spruch in der Hl. Schrift ein: “Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet!” Und gerade zur Fastenzeit fällt mir das Lied ein, das wir als Zehnjährige gelernt haben: “Tu auf, tu auf, du schönes Blut, Gott will zu dir sich kehren! Es genügt nicht, dass die Kirche nur ihr großes Bedauern ausdrückt und um vollkommene Aufklärung bemüht ist, sondern endlich auch Buße verrichtet (Wer Buß zu rechter Zeit verricht’, der soll in Wahrheit leben) und ein Umdenken stattfindet.

Hans Lehrer
Dukatenweg 13
81825 München