Betrug am Gast

Münchner Merkur Nr. 211 vom 13.09.2011
“Wo’s heuer auf der Wiesn qualmt”

Obwohl es letzte Woche noch im Münchner Merkur hieß, dass es an stark besuchten Tagen in der Bräurosl Einlasskarten für Raucher gibt, musste ich am 1. WiesnSonntag leider feststellen, dass Gäste, die zum Rauchen das Zelt verließen, nicht mehr hereingelassen wurden, obwohl ihr teuer bezahltes Bier (9,10 €) noch auf dem Tisch stand. Eintrittskarten gab es keine. Am Anfang drückte man dem Gast noch einen Stempel auf die Haut. Dann galt der Stempel auch nichts mehr und man verfuhr rigoros und ließ keinen der rauchenden Gäste mehr ins Zelt. Als sich in meiner Nähe ein Raucher unter dem Tisch heimlich eine Zigarette anzündete, holte der genervte Kellner schließlich die Leute vom Security. Fünf Mann stark überwältigten sie den Gast, warfen ihn zu Boden und legten ihm Handschellen an. Wie ein Schwerverbrecher wurde er aus dem Zelt geführt, wo die Polizei sofort forderte, ihm die Handschellen abzunehmen, weil das Freiheitsberaubung ist. Mir ist klar, dass das Personal mit der neuen Raucherregelung total überfordert ist. Angst geht um, seinen Job zu verlieren, wenn man nicht gnadenlos durchgreift. Zu meinem großen Bedauern muss ich feststellen, dass es auf der Wiesn die Gemütlichkeit, wie sie einst herrschte, nicht mehr gibt. Armes München ... du hast es weit gebracht ... wirst immer gesünder und dennoch ärmer und ungemütlicher. Die Wirte der Bräurosl aber fordere ich auf, mit den Gästen nicht in so einer Art und Weise umzuspringen. Dazu haben sie kein Recht. Ich werde in die Bräurosl keinen Fuß mehr setzen.

Hans Lehrer