Meine Rede in Feldkrichen

Meine Rede, gehalten im Rathaus von Feldkirchen als Urururenkel des Jakob Bodmer

München, 18. Mai 2011

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

bei der Betrachtung über Jakob Bodmer, dem 1. Schullehrer in Feldkirchen, möchte ich mich bei all jenen bedanken, die sich mit der Historie der Familie Bodmer bisher beschäftigt haben und denke dabei insbesondere an das leider schon verstorbene Ehepaar Ignaz und Lieselotte Pürner (letztere eine Urururenkelin jenes Jakob Bodmer, den es heute zu feiern gilt) und an Herrn Arnold Egli von der Ritterhaus-Vereinigung Ürikon-Stäfa, der sich im Jahresbericht 1990 ausführlich mit dem Schweizer Patrioten Johann Jakob Bodmer auseinandergesetzt hat. Ich bedanke mich auch bei Frau Christa Lange aus Leipzig, deren Ururgroßvater ein Sohn des 1. Schullehrers war. Kaspar Bodmer wanderte damals ins “Preußische” aus, wie in den hiesigen Büchern vermerkt ist und wäre wahrscheinlich für immer verschollen geblieben, wenn nicht seine Ururenkelin intensivste Ahnenforschung getrieben hätte und dabei auch Feldkirchen angeschrieben hat.

Seit meiner Kindheit ist mir der Name Bodmer vertraut, und mit großer Hochachtung blickten unsere Familien schon immer auf das Schaffen und Wirken dieses wunderbaren Mannes, der aus der Schweiz stammte und dort zum Lehrer ausgebildet wurde, kurzzeitig auch in Mariakirch im Elsass in seinem Beruf tätig war, bevor er 1809 nach Feldkirchen kam.

Auf dem Friedhof von Feldkirchen gibt es das Bodmer Grab leider nicht mehr, nur noch einen Grabstein, auf dem der Name Bodmer zu lesen ist. Regina Bodmer, eine Enkelin des 1. Schullehrers heiratete Ludwig Lehrer, während ihre Schwester Barbara meinen Urgroßvater Philipp Lehrer heiratete.

In akribischer Kleinarbeit konnte der Stammbaum der Familie Bodmer bis 1600 zurückverfolgt werden. Unser ältester bekannter Vorfahre hieß ebenfalls Jakob Bodmer gestorben am 27. Oktober 1654 in Ülikon. Er war verheiratet mit Regula Weinmann. Die Familie Bodmer siedelte nach Stäfa über, wo 1697 ein Hans Jacob Bodmer, der Großvater unseres 1. Schullehrers, der keinesfalls ein Züricher Pfarrer oder gar Gemeindevorsteher war, das Licht der Welt erblickte. Unweit von Stäfa, wo Jakob Bodmer am 13. September 1767 in der Verenenkirche getauft wurde, liegen sein Geburtsort Ürikon und der Ort Hombrechtikon, wo die meisten seiner Kinder auf die Welt kamen.

Ludwig Turtur, lange Jahre Pfarrer in Feldkirchen, verdanken wir mit seinem Aufsatz “Aus den Anfängen des Schulwesens zu Feldkirchen bei München”, der im März 1930 im Evangelischen Gemeindeblatt veröffentlicht wurde und noch heute Gültigkeit hat, eine sehr exakte Beschreibung.

Jakob Bodmers segensreiches Wirken als 1. Schullehrer in der Gemeinde Feldkirchen vor 200 Jahren kann man nicht genug würdigen.

Ich möchte mich bei der Gemeinde Feldkirchen und vor allem bei ihrem 1. Bürgermeister Werner van der Weck bedanken, der ein so großes Interesse an unserem Vorfahren zeigt und einverstanden war, dass im Feldkirchner Gemeindeblatt des Monats Mai nicht nur das Bildnis unseres Vorfahren sondern auch seine Lebensgeschichte veröffentlicht wurde, in der alles Wichtige über ihn enthalten ist.

Der Kreis schließt sich, wenn ich daran denke, dass einer unserer Söhne, Urenkel 6. Grades des 1. Schullehrers, jetzt Hauptschullehrer in Milbertshofen ist, einem Stadtteil mit sehr hohem Ausländeranteil, und es sich zur Aufgabe gemacht hat, die türkischen Schüler, die über 70 % in seiner Klasse ausmachen, zu integrieren. Auch er will, wie einst Bodmer, seine Schüler ernst nehmen, ihnen auf Augenhöhe begegnen und versuchen, Selbstvertrauen zu vermitteln. Deshalb bietet er nachmittags Ringen als Wahlfach an. Ein Sport, der hierzulande eher selten, im Orient aber sehr populär ist. Dabei geht es ihm darum, den Schülern Fairness zu vermitteln und überschüssige Kräfte in die richtigen Kanäle zu leiten.

Auch die Schulkinder unseres 1. Schullehrers Jakob Bodmer waren “Andersgläubige” und hatten alle Migrationshintergund, wobei er mit großer Aufopferung versuchte, mit ernsthafter Vaterliebe unparteiisch gegen Reiche und Arme zu sein, wie er es in seiner schriftlichen Prüfungsaufgabe die ebenfalls im Feldkirchner Gemeindeblatt abgedruckt ist, dargelegt hat.

Noch heute, wenn ich nach Feldkirchen komme, mit der evangelischen Kirche als Mittelpunkt und Wahrzeichen der Gemeinde, und gleich daneben das Kinderheim sehe, das von seinem Sohn Johann Bodmer in uneigennütziger Weise gegründet wurde, wenn ich dabei an seinen jüngsten Sohn Gottlieb denke, der ebenfalls in Feldkirchen aufwuchs und als königlich bayerischer Hoflithograph Feldkirchen weit über die weißblauen Grenzen hinaus zu Ruhm und Glanz verhalf, verspüre ich noch immer etwas von dieser Zusammengehörigkeit, dieser besonderen Pionierleistung der ersten evangelischen Familien, wie sie in keiner anderen Gemeinde leicht zu finden ist.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit!

Johann Lehrer