Bertolt Brecht

Eugen Berthold Friedrich Brecht kam am 10. Februar 1898 als erstes Kind von Berthold und Wilhelmine Brecht in Augsburg zur Welt. Brecht wurde in der Barfüßerkirche in Augsburg getauft und später auch konfirmiert. Er war ein eher schüchterner, immer etwas kränkelnder Junge mit einem Herzleiden, der stets liebevoll von seiner Mutter umsorgt wurde. Nach der Volksschule besuchte er von 1908 bis 1917 das Königliche Realgymnasium in Augsburg, welches er im Ersten Weltkrieg mit dem Notabitur abschloss. Sein poetisches Talent zeigte er schon sehr früh. Bereits 1913 schrieb er in seinem Tagebuch “Ich muss immer dichten”. Im selben Jahr veröffentlichte er als Herausgeber, Redakteur und Autor der Schülerzeitschrift “Die Ernte”, in der hauptsächlich patriotische Gedichte und Erzählungen von Brecht erschienen sind. Immer mehr begann er den Krieg zu kritisieren und fand bald nicht mehr, dass es süß und ehrenvoll sei, für das Vaterland zu sterben sondern sah darin eine “Zweckpropaganda” auf die nur “Hohlköpfe” hereinfallen, worauf er mit einem Schulverweis bestraft werden sollte.

Vom 2. Oktober 1917 an studierte er an der Ludwig Maximilian Universität München Philosophie, Medizin und Literatur. Sein Studium musste er allerdings im Jahr 1918 unterbrechen und wurde in einem Augsburger Reservelazarett als Militärkrankenwärter eingesetzt. 1921 brach Brecht sein Studium in München ab

In den 1920er Jahren schloss Brecht mehrere Bekanntschaften, die sein späteres Schaffen deutlich beeinflussten; so z.B. 1920 eine enge Freundschaft mit dem berühmten Kabarettisten Karl Valentin. Ab diesem Jahr pendelte Brecht häufig zwischen Berlin und München, um weitere Beziehungen zu Personen aus dem Theater und der literarischen Szene aufzubauen. Er lernte u. a. den Autor Lion Feuchtwanger kennen. In Berlin arbeitete er zunächst zusammen mit Carl Zuckmayer als Dramaturg an Max Reinhardts Deutschem Theater. Daraufhin inszenierte er an den Münchner Kammerspielen u.a. sein viel gelobtes Stück “Trommeln in der Nacht” im September 1922. Ende desselben Jahres erhielt er für seine erfolgreiche Arbeit den Kleist-Preis. Nach seinen ersten literarischen Erfolgen heiratete er am 3. November 1922 die Schauspielerin und Opernsängerin Marianne Zoff. 1924 zog Brecht endgültig nach Berlin, ließ sich drei Jahre später scheiden und heiratete am 10. April 1929 Helene Weigel.

Brecht entwickelte sich in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre zum überzeugten Kommunisten und verfolgte fortan mit seinen Werken wie dem Stück “Mann ist Mann” politische Ziele. Er trat aber nie in die kommunistische Partei ein

Durch zahlreiche Theaterkritiken, die er in dieser Zeit schrieb, begann seine Kritik am bürgerlichen deutschen Theater und der Schauspielkunst. Brecht war nicht nur im Theater aktiv. Er verfasste Gedichte, Lieder, Kurzgeschichten, Romane, Erzählungen sowie Hörspiele für den Rundfunk.

In Zusammenarbeit mit Kurt Weill entstanden eine Reihe marxistischer Lehrstücke mit avantgardistischer (moderner) Musik. 1928 feierte Brecht mit seiner von Kurt Weill vertonten Dreigroschenoper, die am 31. August uraufgeführt wurde, einen der größten Theatererfolge der Weimarer Republik. Im selben Jahr lernte Brecht Hanns Eisele kennen, der nun zum wichtigsten Komponisten seiner Stücke und Lieder wurde.

Ab 1930 begannen die Nationalsozialisten, Brechts Aufführungen vehement zu stören. Zu Beginn des Jahres 1933 wurde eine Aufführung sogar unterbrochen. Brecht verließ mit seiner Familie und Freunden Berlin und flüchtete ins Ausland. Seine Bücher wurden am 10. Mai 1933 von den Nationalsozialisten verbrannt und am Tag darauf seine gesamten Werke verboten. Brecht wurde 1935 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Brecht verbrachte die nächsten fünf Jahre in Dänemark. 1938 entstand das “Leben des Galilei”. Über Schweden kam die Familie nach Finnland, wo Brecht sein Stück “Herr Puntila und sein Knecht Matti” schrieb, das erst am 5. Juni 1948 in Zürich uraufgeführt werden konnte.

Erst im Mai 1941 erhielt Brecht sein Einreisevisum in die USA und machte sich mit seiner Familie via Moskau und Wladiwostok mit dem Schiff nach Santa Monica, Kalifornien, auf.

In den USA wurde Brecht schon 1942 als feindlicher Ausländer registriert. Zudem geriet er in den Verdacht, Mitglied einer kommunistischen Partei zu sein. Am 5. November 1947 reiste er über Paris nach Zürich. Dort hielt er sich ein Jahr auf, in dem auch Brechts Fassung der Antigone von Sophokles uraufgeführt wurde.

Bereits kurz nach dem Krieg wurde Brecht von Freunden gedrängt, nach Deutschland zurückzukommen und seine Stücke selbst zu inszenieren. Als 1948 in der sowjetischen Besatzungszone dann mehrere Theater wieder eröffnet wurden und auch in Berlin das “Deutsche Theater” die Arbeit wieder aufnahm, reiste er im Oktober 1948 von Zürich über Prag nach Berlin. Die Einreise in die westlichen Besatzungsgebiete Deutschlands blieb ihm nach wie vor untersagt. In Ostberlin fand er schnell Kontakt zu maßgeblichen Künstlern, hielt sich aber mit politischen Äußerungen in der Öffentlichkeit zurück.

Als wichtige Aufgabe empfand es Brecht, wieder im Theaterbetrieb Fuß zu fassen. Ein Angebot, am Deutschen Theater eigene Stücke zu inszenieren, nahm er sofort an. Am 11. Januar 1949 war die Premiere seines Stückes “Mutter Courage und ihre Kinder”, ein außerordentlicher Erfolg für Brecht und der Hauptdarstellerin Helene Weigel. Im Umgang mit hohen Staatsfunktionären der DDR agierte Brecht geschickt und immer Kompromisse suchend.

Seine Verbundenheit zur Partei während des Arbeiteraufstandes vom 17. Juni 1953, wurde Brecht nachhaltig übel genommen. Brecht versuchte diesen Eindruck zu korrigieren und forderte nochmals eine “große Aussprache” mit den Arbeitern, die in berechtigter Unzufriedenheit demonstriert haben.

Damals brach eine Welt für Brecht zusammen. Er war erschüttert und entsetzt. Augenzeugen berichten, sie hätten ihn damals geradezu hilflos gesehen. Aber es war zu spät. Schlagartig setzten die westdeutschen Bühnen, die treuesten, die er neben seiner eigenen hatte, seine Stücke von den Spielplänen ab, und es dauerte lange, bis sich dieser Boykott wieder lockerte. Es wurde Brecht zum Verhängnis, dass er durch seine Anpassung an das Regime versucht hat, seine wirklichen Interessen zu verfolgen. Es erging ihm ebenso wie der Brecht-Figur Shen-Te aus “Der gute Mensch von Sezuan, der ein Doppelleben führt und sich mit Zugeständnissen befleckt, um sich halten zu können. Er musste sich als Gespenst seiner selbst vorkommen, weil er, zur Flucht zu stolz, unter der ihm längst fragwürdig gewordenen Fahne ausharrte. Er war kein Verräter, aber ein Gefangener. Er wurde wieder zum Außenseiter. Der schlimmste Missbrauch seiner Person war die Unterschlagung seiner kritischen Stellungnahmen zur Unterdrückung des Berliner Juniaufstandes von 1953.

Nach seinem frühen Tod, der wohl mit dem Gram darüber zusammen hängt, kamen Gedichte ans Licht, die zeigen, was er litt.

Am 15. Mai 1955 verfasste Brecht sein Testament: Im Falle meines Todes möchte ich nirgends aufgebahrt werden. Beerdigt werden möchte ich auf dem Friedhof neben dem Haus, in dem ich wohne. Ein Jahr darauf wurde Brecht mit einer Grippe in das Berliner Charité-Krankenhaus eingeliefert. Zu seiner Erholung verbrachte er die Sommerfrische im Landhaus am Buckower Schermützelsee in der Märkischen Schweiz. Aber auch die Landluft konnte seine Herzbeschwerden, die er seit seiner Kindheit hatte, nicht kurieren.

Brecht starb am 14. August 1956 um 23.30 Uhr in der Berliner Chausseestraße 125, dem heutigen Brecht-Haus. Brecht hatte zeitlebens organische Beschwerden, die letztendlich zu einem Herzversagen führten.

Hans Lehrer

Über die Verführung von Engeln - Brecht Gedicht

Engel verführt man gar nicht oder schnell.
Verzieh ihn einfach in den Hauseingang
Steck ihm die Zunge in den Hals und lang

Ihm untern Rock, bis er sich nass macht, stell
Ihn, das Gesicht zur Wand, heb ihm den Rock
Und fick ihn.
Stöhnt er irgendwie beklommen
Dann halt ihn fest und lass ihn zweimal kommen
Sonst hat er dir am Ende einen Schock.

Ermahn ihn, dass er gut den Hintern schwenkt
Heiß ihn dir ruhig an die Hoden zu fassen
Sag ihm, er darf sich furchtlos fallen lassen
Dieweil er zwischen Erd und Himmel hängt -

Doch schau ihm nicht beim Ficken ins Gesicht
Und seine Flügel, Mensch, zerdrück sie nicht.

Bertolt Brecht, 1948


Liebe Marie, Seelenbraut

Liebe Marie, Seelenbraut:
Du bist viel zu eng gebaut.
Eine solche Jungfernschaft
Braucht mir zu viel Manneskraft.

Ich vergieße meinen Samen
Immerdar schon vor der Zeit:
Wohl nach einer Ewigkeit
Aber lange vor dem Amen.

Liebe Marie, Seelenbraut:
Deine dicke Jungfernhaut
Bringt mich noch zur Raserei.
Warum bist du auch so trei?

Warum soll ich, sozusagen:
Nur weil du lang sitzenbliebst
Grade ich, den du doch liebst
Mich statt einem andern plagen?!


Saune und Beischlaf

Am besten fickt man erst und badet dann.
Du wartest, bis sie sich zum Eimer bückt
Besiehst den nackten Hintern, leicht entzückt
Und langst sie, durch die Schenkel, spielend an.

Du hälst sie in der Stellung, jedoch später
Sei’s ihr erlaubt, sich auf den Schwanz zu setzen
Wünscht sie, die Fotze aufwärts sich zu netzen.
Dann freilich, nach der Sitte unsrer Väter
Dient sie beim Bad. Sie macht die Ziegel zischen
Im schnellen Guß (das Wasser hat zu kochen)
Und peitscht dicht rot mit zarten Birkenreisern
Und so, allmählich, in dem immer heißern
Balsamischen Dampf läßt du dich ganz erfrischen
Und schwitzt dir das Geficke aus den Knochen.