Grüß Gott miteinand (Grüß Gott statt Unheil)

Leserbrief an den Münchner Merkur (04.04.2012)

Zum Thema “Hitlergruß”, der den Menschen in der Hitlerzeit aufgezwungen wurde, um dem Führer Heil zu wünschen, der ihnen das Unheil gebracht hat, möchte ich folgende kleine Geschichte loswerden: In der Hitlerzeit war mein älterer Bruder Jakob begeisterter Ministrant in der Stadtpfarrkirche Peter und Paul in Trudering. Als er einmal in der Sakristei dem Herrn Oberlehrer Josef Stolz begegnete, der die Orgel bediente, war mein Bruder etwas ratlos, wie er grüßen sollte. An einem so heiligen Ort wie der Sakristei wollte er nicht “Heil Hitler” sagen, obwohl sie es in der Schule eigentlich so gelernt hatten. Er traute sich aber auch nicht “Grüß Gott” zu sagen, weil es verboten war. Also schwieg er, sagte lieber nichts und zog den Kopf ein. Am nächsten Tag machte der erboste Oberlehrer meinen Bruder vor allen Schülern noch einmal so richtig nieder. Zu spät kam der Rat meiner Mutter, mit einem “Guten Morgen” dieser heiklen Situation aus dem Weg zu gehen.

Hans Lehrer
München