Dafür kann keiner was

Leserbrief , veröffentlicht im Münchner Merkur am 27. Juli 2012

Die Frage von Frau Rosemarie T. in ihrem Leserbrief vom 26.7.2012 zur “Kritik an Reformpriestern” und “Demo gegen Passauer Bischof”, wieso “Priester, die schwul sind, die Kinder missbrauchet haben und die mit einer Frau zusammenleben und vielleicht sogar noch Kinder haben, die heilige Messe feiern und die Kommunion empfangen” dürfen, “obwohl sie sich dem Zölibat verpflichtet haben?”, macht mich betroffen. Was soll diese pauschale und obendrein diskriminierende Beschuldigung, in der schwule Priester mit Kindern missbrauchenden Priestern in einem Atemzug genannt werden, eigentlich sonst noch bewirken? Ich bin auch kein Freund von Priestern, die das Wasser predigen und selbst den Wein trinken. Für sein Schwulsein aber kann keiner etwas dafür. Das ist eine schicksalhafte Neigung, mit der jeder selbst verantwortungsbewusst umgehen muss. Doch wie heißt es im Brief des Hl. Jakobus an die zwölf Stämme Israels unter anderem? Wer sich für fromm hält, aber seine Zunge nicht zügeln kann, der macht sich selbst etwas vor. Seine Frömmigkeit ist nichts wert.

Hans Lehrer