Wiesn: Für Raucher wird es enger

Mein Leserbrief an den Münchner Merkur

(Freitag, 4. Mai 2012)

Nikotin ist Gift und Alkohol ist eine Droge.

Beide führen letztendlich zur Sucht und Abhängigkeit, machen krank und können nicht nur die Gesundheit sondern auch Existenzen zerstören. Während man strikt für das Rauchverbot ist, darf in den Zelten weiterhin gesoffen werden, bis zum Umfallen, schlimmstenfalls bis zur Alkoholvergiftung. Dafür gibt es ja Ausnüchterungszelte. Hauptsache, der Rubel rollt und die Wirte machen ihr Geschäft. Für mich ist das schlichtweg Heuchelei. Interessant ist der hinkende Vergleich des Festwirts Roiderer: “Im Zug und im Flugzeug halten es Raucher auch mal ohne Zigaretten aus.” Sind wir jetzt schon so weit, dass man ein Bierzelt mit einem Flugzeug oder einem Zug vergleicht? Die bayerische Gemütlichkeit wird endgültig zu Grabe getragen. Als geborener Münchner und Gott sei Dank Nichtraucher habe ich mir geschworen, nie mehr ein Bierzelt zu betreten, weil ich keine Lust habe, mit ansehen zu müssen, wie Gäste, die viel Geld dalassen, von der Security gegängelt, vom Gesetz diskriminiert und vom Personal schlecht behandelt werden. Das Lied vom alten Peter, der grünen Isar und der niemals aussterbenden Münchner Gemütlichkeit hat seine Gültigkeit leider schon längst verloren, steht nur noch auf dem Papier oder wird spätestens nach der fünften Maß gegrölt.

Hans Lehrer