Jesus im Islam

Im Koran werden Jesus folgende Ehrennamen gegeben: Sohn Maryams, der Messias, das Wort Gottes, Das Wort der Wahrheit, ein Geist von Allah, Gesandter Allahs, Prophet, Knecht Allahs, einer der Allah Nahegestellten, Gesegneter, hoch angesehen in dieser und in jener Welt.

Es mag bei der Liste auffallen, dass der Koran auch die Bezeichnung Messias aufgenommen hat. Das Wort wird jedoch nirgends erklärt. Auch die Verwendung der johanneischen Bezeichnung "Wort Gottes" und des vielleicht an 2. Kor. 6,7 erinnernden Ausdrucks "Wort der Wahrheit" mag erstaunen. Es lag offenbar Mohammed noch fern, sich von der christlichen Logoslehre zu distanzieren. Aber vielleicht muss auch hier vermutet werden, dass er im Volk umlaufende Beinamen unverstanden und ungeprüft übernahm. "Ein Geist von Allah" wird in der Sure 38,72 auch Adam genannt, mag also als allgemeine Kennzeichnung eines Propheten zu verstehen sein.

Über Geburt, Leben und Sendung Jesu enthält der Koran folgende Aussagen. Er erwähnt die Verkündigung an die Jungfrau Maria, wobei er freilich, Maria mit Miriam, der Schwester des Aarons, verwechselnd , "Imran" als Vater der Maria bezeichnet. Er erzählt auch, genau entsprechend der biblischen und altkirchlichen Überlieferung die übernatürliche Geburt Jesu, wobei die Verwechslung Marias mit Miriam sich wiederholt. Auch eine dogmatische Aussage über die übernatürliche Geburt Jesu findet sich im Koran, nämlich, dass Jesus wie Adam lediglich durch den schöpferischen Befehl "Sei!" ins Leben getreten sei (Sure 3 ,52) Wir stehen also vor der erstaunlichen Tatsache, dass gerade die Geburtsgeschichte Jesu, abgesehen von den Irrtümern in den Namen, im Koran mit einer auffallenden Treue wiedergegeben wird. Anders steht es nun bei den Berichten über das Wirken Jesu. Es wundert uns nicht, dass Mohammed vor allem Wundergeschichten aus der evangelischen und apokryphen Überlieferung erfuhr, während die Verkündigung Jesu kaum einen Niederschlag im Koran gefunden hat. Die Heilung des Blindgeborenen und des Aussätzigen wird einmal erwähnt, bildet jedoch, mit legendarischen Stoffen vermischt, die einzige korrekte biblische Erinnerung.

Eine große Überraschung bildet jedoch die Aussage, dass auch Jesus das Kommen Mohammeds angekündigt habe (Sure 61,6). Insgesamt stehen wir vor einem krausen Mischmasch von richtig, halbrichtig und falsch überlieferten sowie von frei erfundenen, nachträglich erdichteten Aussagen über Jesus.

Mit der biblischen Überlieferung in direktem Widerspruch stehen die Aussagen über den Kreuzestod (Sure 3, 47-50); 4, 155). Hier wird gelehrt, dass am Kreuz gar nicht der Prophet Jesus selbst gestorben sei, sondern dass Allah, der "Listenschmieder" (Sure 3,47), im letzten Augenblick einen andern, ihm ähnlich sehenden Menschen untergeschoben hat und ihn dadurch vor dem schimpflichen Tod des Verbrechers bewahrt habe. Diese Lehre von der Substitution eines Doppelgängers ist eine alte christliche Häresie.

Von der Wiederkunft Jesu schweigt der Koran. Während die geschichtliche Überlieferung über Jesus teils richtig, teils entstellt wieder gegeben, jedoch nirgends ausdrücklich bekämpft wird, so werden die entscheidenden christlichen Glaubensaussagen über Jesus im Koran mit Leidenschaft abgewiesen, ja als schwerste Gotteslästerung gebrandmarkt.

Die Gottessohnschaft ist dem Koran in besonderer Weise ein Anstoß. Der Koran kann die Aussage, dass Jesus Gottes Sohn sei, nicht anders als im Sinne einer menschlich-physischen Abstammung verstehen und sieht sie deshalb folgerichtig ganz auf der Ebene des heidnischen Polytheismus. Darum lehnt er auch die Trinitätslehre ab. Dabei unterlaufen freilich zum Teil wiederum groteske Missverständnisse, so wenn zuweilen Maria als dritte Person der Trinität an Stelle des Heiligen Geistes erscheint (Sure 5, 116). Auch hier zeigt sich wieder, dass die Dialektik der christlichen Glaubensaussagen dem massiven und primitiven Denken Mohammeds unverständlich blieb; ihm wandelten sich die behutsamen und ehrfurchtsvollen Formeln der altkirchlichen Denker sofort in grob-sinnliche, menschlich-irdische Vorstellungen. Mohammed lehnt die Gottessohnschaft ab, weil es für ihn keine andere Stellung des Menschen zu Allah gibt, als die des Sklaven. (Sure 19,94) Das gilt auch für die Propheten. Darum lehnt der Islam ebenso entschlossen wie die Gottessohnschaft Jesu auch die Erlösungsbedeutung seines Kreuzestodes ab. Über die Wiederkunft Jesu und seine zukünftige Aufgabe gibt es Vorstellungen, die auf eine dunkle Koranstelle 43, 61 zurückzuführen sind und zu folgender Auffassung geführt haben. Jesus werde vom Himmel in das Heilige Land herabkommen, mit einer Lanze den Antichrist töten, zur Zeit des Morgengebetes nach Jerusalem kommen, sich hinter dem Vorbeter in die betende moslemische Gemeinde einreihen, das Schwein töten, das Kreuz zerbrechen, Synagogen und Kirchen zertrümmern, die nicht an Mohammed glaubenden Christen töten, während 40 Jahren des Friedens zwischen Mensch und Tier auf Erden als gerechter König regieren, heiraten, Kinder zeugen, dann sterben und nach Abhaltung des mohammedanischen Totengebets in Medina neben Mohammed und zwischen Abu Bakr und Umar begraben werden. Das Begehren der Menschen, er möge als Fürbitter für sie eintreten, wird er ablehnen, nicht wegen seiner eigenen Sünde, sondern weil seine Anhänger ihn und seine Mutter als Götter erhoben hätten. Die Islamisierung des Christusbildes ist damit abgeschlossen. Christus ist Moslem geworden wie einst Abraham In kurzen Auszügen habe ich versucht, die Gestalt Jesus im Koran zu erläutern. Als Vorlage diente das Buch "Der Islam - Seine Geschichte - Seine Lehre - Sein Wesen" von Emanuel Kellerhals. Mag sein, dass andere Gelehrte zu anderen Ergebnissen kommen ... aber darum geht es doch gar nicht. Wichtig ist, was Jesus für jeden einzelnen von uns persönlich bedeutet. "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen". In jungen Jahren wusste ich auch nicht sehr viel mit der Dreieinigkeit und der Gottessohnschaft Jesu anzufangen und habe mich an das 1. Gebot erinnert: "Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine andern Götter neben mir haben. Erst in der islamischen Mystik, die über alles die Liebe stellt, genauso wie das Jesus tut, habe ich zu Jesus zurück gefunden. Einzig und allein die Liebe zur Natur, der verantwortungsvolle Umgang mit ihr, die Liebe zu den Menschen und die Liebe zu Gott lassen uns einst mit Gott eine Verschmelzung herbei sehnen. Ich habe den Koran nur einmal lustlos gelesen, wobei mir einige Stellen trotzdem gut gefallen haben. Wenn ich heute noch den Islam liebe, dann sind es die Aussagen der großen islamischen Mystiker, wie Mewlana "Ich bin Wind und du bist Feuer". Die eine Alternative zum Koran gesucht und gefunden haben. Auf der Stufe der Liebe begegnen sich alle Religionen auf "Augenhöhe". Mir graut davor, wenn ich höre, wie die Menschen mit der Scharia, dem islamischen Gesetz verurteilt werden. Das ist tiefstes Mittelalter ...

Der Mensch entwickelt sich weiter ... die Religion leider nur sehr langsam oder gar nicht. Es ist wichtig über alles Bescheid zu wissen, um sich selbst ein Urteil bilden zu können. Dazu hat uns Gott den Verstand gegeben.

Hans Lehrer