Eine etwas andere, umso traurigere Weihnachtsgeschichte

Advent 2013

Celine mit Lissy Meine Enkelin Celine-Lena Lehrer ist am 31. Oktober vier Jahre alt geworden und besucht seit einem Jahr den evangelischen Kindergarten in der Klothildenstraße „Frikiki“ in München- Trudering. Sie fühlt sich dort wohl und geht gerne dorthin. Man hört von ihr keine Klagen über andere Kinder, außer, dass sie von den Buben manchmal geschlagen wird und lernt halt die üblichen Schimpfwörter. Sie wohnt ein Haus weiter und hat nur ein paar Meter in den Kindergarten. Celine-Lena stammt von der ersten evangelischen Familie ab, die 1803 nach Trudering gekommen ist und eine Landwirtschaft betrieben hat. Die ledig gebliebene Tante ihres Großvaters, vermachte in ihrer Großzügigkeit der evangelischen Kirche zwei Baugrundstücke, auf denen Anfang der achtziger Jahre der Kindergarten gebaut wurde. Es war naheliegend, dass wir versuchten, meine Enkelin in diesem Kindergarten, allein schon wegen der unmittelbaren Nähe, unterzubringen. Zunächst kam eine Absage, doch unsere hartnäckige Bitte an den Pfarrer wurde dann doch positiv entschieden. Wir wussten damals nicht, was in diesem Kindergarten alles auf uns zukommt. Seit einem Jahr hören wir nur Beschwerden, dass Celine-Lena sich in größere Gruppen nicht einfügen kann, eigensinnig ist und sich besonders in der Stuhlreihe nicht ruhig verhält, um sich schlägt und sich mit der Begründung auszieht, ihr wäre zu heiß. Der Kindergarten stellt es so hin, als wäre Celine-Lena von 54 Kindern das einzige Kind, das eine Gefahr für die übrigen Kinder darstellt und für diesen Kindergarten nicht mehr tragbar ist, weil sie nicht in sein Konzept passt.

Der bekümmerte Großvater Hans Lehrer hegt allerdings den Verdacht, dass historische Gründe und Geschehnisse, eine Rolle spielen, die Celine-Lena jetzt als Vierjährige zu spüren bekommt. Anders kann er sich das Verhalten der evangelischen Kirche nicht erklären, die Celine-Lena zum „Sündenbock“ stempelt und aus dem Kindergarten beseitigen möchte. Zumindest setzt der Kindergarten „Himmel und Hölle“ in Bewegung, schaltet soziale Dienste ein, die der Kirche das Recht geben sollen, Celine aus dem Kindergarten zu entfernen. Fast jeden Tag kommt auf die berufstätige und allein erziehende Mutter von Seiten des Kindergartens eine neue Hiobsbotschaft hinzu, die sie scheinbar unter Druck setzen soll. Der entmutigte Großvater, der den Konfessionskampf seit seiner Kindheit am eigenen Leibe mitgemacht hat, dessen Eltern in einer Mischehe lebten, der in jungen Jahren die schwierigen Erbauseinandersetzungen mit der evangelischen Kirche noch in unguter Erinnerung hat, fühlt sich in diese Zeit zurückversetzt. Falls Celine-Lena von 54 Kindern die einzige ist, die Schwierigkeiten bereitet und man von Seiten des Kindergartens diese Sache nicht anders in den Griff bekommt, stellt sich diese Einrichtung selbst ein Armutszeugnis aus, und an der pädagogischen Befähigung aber auch an der christlichen Nächstenliebe und am fehlenden guten Willen kommen ernsthaft Zweifel auf. Die Familie befindet sich in einer Notsituation; denn es wird schwierig sein, so schnell einen anderen Kindergarten in der Umgebung zu finden, der Celine-Lena gerne aufnimmt. Wäre die Angelegenheit nicht so traurig, könnte man dahinter glatt eine Weihnachtsgeschichte mit dem Titel „Herbergssuche“ vermuten. Ob sich das Wunder von Bethlehem noch einmal ereignen wird oder ob man eine verzweifelte Mutter mit ihrer Tochter alleine und im Stich, bzw. im Regen stehen lässt? Das ist hier die Frage.

Der besorgte Großvater

Hans Lehrer