Brief des Onkel Philipp

an meinen Vater Jakob im 1. Weltkrieg

 

Liebster Bruder! Geschrieben, den 21. Mai 1917

Teile dir mit dass ich zu meiner großen Freude heute deinen Brief erhalten habe. Hoffentlich hast du inzwischen auch meinen Brief erhalten, den ich dir Anfang Mai geschrieben habe. Mein Vater mit seinen Brüdern: links mein Vater Jakob Lehrer, in der Mitte sein älterer Bruder Philipp und re. sein jüngerer Bruder Ludwig Ich weiß nicht, warum du ihn nicht erhalten hast. Falls du den anderen Brief nicht erhalten solltest, so will ich dir mitteilen, dass wir Ende April von unserer Stellung weggekommen sind. Dort hat uns das I. Reserve Korps abgelöst. Wir wurden dann mitten in der Arrasschlacht eingesetzt an der Bahnlinie Douai. Etwas nicht weit weg von Gavrelle und Oppy. Die Engländer griffen 3 mal an, erreichten aber nichts. Wie es zugeht bei dem Kampf, das weißt du selbst. Von einem Bataillon Schottländer, das in unser Maschinengewehrfeuer kam ist nur 1 Offizier und 1 Mann durchgekommen. Die Engländer taugen auch nicht mehr viel, besonders die Infanterie. Artillerie ist ja tadellos. Umeinanderfetzen tun sie wieder in dem ganzen Gelände, dass es eine Schande ist. Sie haben auch schon ein paar Mal nach Douai hineingeschossen. Vielleicht weißt du auch Vitry Lieche da waren wir immer. Haben denn die Franzosen bei euch nicht angegriffen? Nun sind wir seit Mitte Mai wieder weg in Ruhe ein gutes Stück hinter der Front. Es ist soweit ganz schön hier, da könntens wir schon aushalten. Mein Vater Jakob Lehrer mit seiner Schwester Betty. Wo wir aber eigentlich hinkommen sollen, wissen wir noch nicht. Es heißt immer noch einmal vor. Die Infanterie hatte schon ziemliche Verluste. Weniger hatten wir. Die 1. und 3. Kompanie hatte keine Toten. Die 2. Komp. hatte 3 Tote und ungefähr 10 Verwundete. Etwas besser ist es doch wie an der Somme, denn da wurde das Rgt. auf einmal eingesetzt während wir uns dies Mal besser ablösten. Wir haben halt heuer doch mehr Leute, da sie in Rußland nicht mehr so viel brauchen und auch viel weniger Artillerie. Als wir in Stellung waren, griffen sie zwei Mal an 1 mal abends und dann am nächsten Morgen in der Früh gleich wieder. Wir haben auch heuer wieder kein M.G. verloren sondern sogar mehr retour gebracht als wie zuvor. Das macht halt bei uns immer viel aus, dass die Artillerie schon gut eingeschossen ist, wenn wir hinkommen und auch Artillerie genug dort ist. Seit dem 9. April haben die Engländer auf der ganzen Linie nichts mehr erreicht. Während es an der Somme immer schön stad retour ging. Ich habe auch das Eiserne Kreuz erhalten. Aber mir wäre lieber es würde der Schwindel einmal gar. Ich hoffe, dass ich auf die Heuernte in Urlaub fahren darf. Vielleicht darfst du dann zur Ernte wieder fahren. Kurzhuber Franzl wurde auch verwundet, ehe wir noch in die Arrasschlacht kamen. Die Kerl haben ein Massel. Vielleicht wird es doch bald gar. Sei nun einstweilen vielmals gegrüßt von deinem

Dich liebenden Bruder
Philipp
Auf Wiedersehn

Ludwig habens zu den Schw. Reitern ausgehoben. Ich habe ihm geschrieben, er soll nur schauen, dass er auch dabei einrücken kann. Was meinst du dazu? Wenn er auch schließlich 3 Jahre bleiben muss, die sind doch feinere Kerle wie wir.