Meine Diplomarbeit

Meine Diplomarbeit an der Höheren Wirtschaftsfachschule in München

Die Beziehung zwischen Kosten und Beschäftigungsgrad


Inhaltsübersicht

I. Betriebskapazität und Beschäftigungsgrad
1. Begriffsbestimmung
2. Basis für die Ermittlung des Beschäftigungsgrades
II. Kosten und Beschäftigungsgrad
1. Allgemeiner Überblick
2. Die verschiedenen Kostenarten unter Berücksichtigung des Beschäftigungsgrades
III. Die verschiedenen Kostentheorien unter Berücksichtigung des Beschäftigungsgrades
A. Die traditionelle Kostentheorie
1. Betrachtungsweise nach Schmalenbach
a) Proportionale Kosten
b) Fixe Kosten
c) Degressive Kosten
d) Progressive Kosten
e) Regressive Kosten
f) Zusammenfassendes Beispiel
2. Betrachtungsweise nach Mellerowicz
a) Fixe Kosten
b) Veränderliche Kosten
c) Der Reagibilitätsgrad
d) Idealtypische Gesamtkurve
e) Grenzkostenbetrachtung
B. Die neuere Betrachtungsweise
1. Betrachtungsweise nach Gutenberg
a) Hauptkosteneinflussgrößen
b) Fixe und variable Kosten
c) mittelbarer Zusammenhang zwischen Kostengröße und Beschäftigungsgrad
d) Verschiedene Anpassungsformen der Beschäftigung an den Absatz
2. Betrachtungsweise nach Schneider
C. Der neueren Betrachtungsweise nahe stehende Auffassungen
IV. Die praktische Bedeutung des Beschäftigungsgrades als Kosteneinflussgröße

Allgemeines über den Beschäftigungsgrad als Kosteneinflussgröße

I. Betriebskapazität und Beschäftigungsgrad
1. Begriff

Diplom

Jeder Betrieb irgend einer Größe hat eine gewisse Kapazität, unter der man seine Leistungsfähigkeit bei Vollbeschäftigung in einem Zeitabschnitt versteht. Die Beschäftigung stellt die Ausnutzung oder Inanspruchnahme der Kapazität dar. Sie ist ein Mengenbegriff und kommt zum Ausdruck in der Zahl der Produktions- oder Umsatzleistungen. Bei Herstellung einheitlicher Massengüter können Stückzahl, t, cbm, kW usw. als Maßgröße dienen. Die Beschäftigung kann aber auch an der zur Leistungserstellung führenden Tätigkeit (Arbeitsstunden, Maschinenstunden usw.) gemessen werden. Beschäftigung ist also der Ausdruck für die Nutzung der vorhandenen Produktionsbereitschaft und man bezeichnet dementsprechend das Verhältnis der genutzten zur vorhandenen Kapazität als Kapazitätsausnutzungsgrad oder Beschäftigungsgrad.

Beschäftigung stellt etwas absolutes dar. Will man die relative Beschäftigung, den Beschäftigungsgrad messen, so muss eine bestimmte Beschäftigungslage als fest, normal oder optimal angenommen werden, um von dieser Vergleichsbasis aus die Abweichungen zu bestimmen. Es gibt eine Höchst-, Mindest- und Optimalkapazität. Der Beschäftigungsgrad ergibt sich dann als Verhältniszahl (meist Prozentzahl) durch Inbeziehungsetzung der wirklichen Beschäftigung zur gewählten Norm.

2. Die Basis für die Ermittlung des Beschäftigungsgrades

Es ist nicht einfach, die zweckmäßigste Basis für die Ermittlung des Beschäftigungsgrades zu finden. Die technische Vollbeschäftigung des maschinellen und personellen Apparates eines betrieblichen Organismus, gemessen in Mengen, das höchstmögliche Ausbringungsvermögen oder die maximale Ergiebigkeit für eine Zeitspanne sind meist nicht das kostenmäßig günstigste und wirtschaftlich vertretbare Beschäftigungsvolumen, weil es in vielen Fällen nur mit erheblichen Kostensteigerungen erzielbar ist und weil wechselnde Umweltbedingungen, z.B. Störungen in der Rohstoffzufuhr, Schwankungen in der Anwesenheitsziffer der Belegschaft, die Zusammensetzung des Fertigungsprogramms, notwendige Reparaturen an den Maschinen usw., die volle Auswertung der technischen Potenz erschweren. Wie man sehen kann, ist der rein technische Nutzungsgrad nur von theoretischem Wert. Nur die unter normaler Arbeits- und Umweltbedingungen erreichbare und daher auf die Dauer kostenmäßig günstigste Ausnutzung des Betriebes entspricht der Ausnutzung der wirtschaftlichen Kapazität. Diese wirtschaftliche Leistungsfähigkeit liegt gewöhnlich 10 - 20 % unterhalb der technisch möglichen Vollbeschäftigung, wenn die Höchstkapazität mit 100 % angenommen wird. Es handelt sich um jene Beschäftigungslage, die bei möglichster Beseitigung von Uneinigkeiten in dem Zusammenspiel der Produktionsmittel unter Beachtung unvermeidbarer Störungsfaktoren erreicht wird. Zu dieser Normalbeschäftigung sollte die effektive Beschäftigung in Beziehung gesetzt werden, um den Beschäftigungsgrad zu ermitteln. Normalbeschäftigung in diesem Sinne ist also die wirtschaftlich günstigste und daher auch gleichzeitig optimale Beschäftigung. Sie entspricht nach MELLEROWICZ der Produktion des Betriebes in seinem optimalen Kostenpunkt. Der Betrieb muss versuchen ihn zu erreichen und zu erhalten 1).

Die gesetzte Norm muss jedoch die Möglichkeit bieten, sie ohne Überanstrengung und Mehrkosten zu erreichen. Sie darf kein unnahbares oder nur unter seltenen Umständen erreichbares Ideal sein und ist auch nicht als mechanisch gezogener Durchschnitt früherer Arbeitslagen zu verstehen.

Schließlich gibt es Betriebsmittel, die eine Minimalkapazität besitzen. In vielen Fällen wird ein Betriebsmittel, eine Anlage oder ein bestimmtes Aggregat erst dann funktionsfähig, wenn es mit einer gewissen Leistung in Anspruch genommen wird. Gutenberg verwendet hierzu als Beispiel einen Hochofen, bei dem es rein technisch unmöglich ist, ihn in Betrieb zu nehmen, wenn nicht ein gewisses Maß an Ausbringung erreicht wird. Ferner weist er darauf hin, dass es auch viele Fälle gibt, in denen es sich einfach nicht lohnt, einen Gegenstand in Benutzung zu nehmen. Das Betriebsmittel ist dann überdimensioniert, seine Kapazität zu groß, um noch “wirtschaftlich” zu sein. 2)

II. Kosten und Beschäftigungsgrad
1. Allgemeiner Überblick

Beschäftigungsgrad und Gesamtkosten stehen in dauernder Wechselwirkung zueinander. Jedes Anwachsen oder Nachlassen der Beschäftigung hat Einfluss auf die Kosten der Leistungseinheiten. Dass der Grad der Kapazitätsausnutzung eine Kosteneinflussgröße ist, wird von keiner Seite geleugnet, doch bestehen hinsichtlich der Stärke und Form dieses Einflusses unterschiedliche Meinungen.


1) Vgl. Mellerowicz, K., Allg. Betriebswirtschaftslehre Band 1153, 1153a, 11. Aufl., Berlin 1962, S. 46

2) Vgl. Gutenberg, E., Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Erster Band, Die Produktion, 3. Aufl., Berlin-Göttingen-Heidelberg 1957, S.57


Eine einheitliche Auffassung hat sich zu diesem Problem bis heute noch nicht gebildet. Im wesentlichen lassen sich drei Anschauungsrichtungen unterscheiden:

a. Die traditionelle Betrachtungsweise vertritt den Gedanken, dass zwischen der Gesamtkostenhöhe und den Änderungen des Beschäftigungsgrades ein funktionaler bzw. direkter Zusammenhang besteht. Ein Teil der betriebswirtschaftlichen Autoren baut seine kostentheoretischen Untersuchungen auf der produktionstheoretischen Grundlage des Ertragsgesetzes auf. Als Hauptvertreter kann hier von Stackelberg genannt werden. Die andere Gruppe von Kostentheoretikern der traditionellen Betrachtungsweise entwickelt jedoch eigene Begründungen für das Verhalten der Kosten gegenüber Änderungen des Beschäftigungsgrades. Als Hauptvertreter sind hier Schmalenbach und Mellerowicz anzusprechen. Auf das Wesen und die Darstellung des Ertragsgesetzes wird bei der Behandlung der neueren Betrachtungsweise näher eingegangen.

b. Nach der neueren Betrachtungsweise ist kein direkter Zusammenhang zwischen der Gesamtkostenhöhe und den Änderungen des Beschäftigungsgrades zu sehen. Vielmehr werden die Kosten direkt durch die Leistungsabgabe der Produktionsfaktoren bestimmt, die ihrerseits wieder in unmittelbarem Zusammenhang zur Höhe der Beschäftigung (z.B. Produktionsmenge) stehen. Es besteht also somit zwischen Kostenhöhe und Beschäftigungsgrad nur ein mittelbarer, d.h. indirekter Zusammenhang. Daraus entwickelt sich auch der Gedanke, dass die Gesamtkosten weiterhin davon abhängen, in welcher Anpassungsform sich der Betrieb auf Beschäftigungsveränderungen fertigungstechnisch einstellt. Die einzelnen Anpassungsformen führen zu unterschiedlichen Konsequenzen für die Kostenentwicklung. Aussagen über die Wirkung von Beschäftigungsänderungen auf die Höhe der Kosten können in diesem Falle nur gemacht werden, wenn die Art der Anpassung an die veränderte Beschäftigungslage bekannt ist. Ferner wird nach der neueren Betrachtungsweise die Gültigkeit des Ertragsgesetzes für die industrielle Produktion stark bezweifelt. Als Hauptvertreter dieser Anschauung ist hier Gutenberg zu nennen.

c. Schließlich besteht auch zuweilen die Auffassung, dass kein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Gesamtkosten und der Änderung des Beschäftigungsgrades besteht. Man ist dabei der Ansicht, dass der Beschäftigungsgrad kein Ausdrucksmittel für die Inanspruchnahme des betrieblichen Leistungspotentials darstellen kann, da es für den Gesamtbetrieb keinen einheitlichen Beschäftigungsgrad gibt. Vielmehr bestehen gleichzeitig so viele Beschäftigungsgrade, wie Kostenstellen gebildet oder Leistungsarten erstellt werden 1).

Zwischen der Kostenhöhe und dem Beschäftigungsgrad besteht kein eindeutiger Zusammenhang, da die Kosten in entscheidendem Maße oder ganz dispositionsbestimmt sind 2).

2. Die verschiedenen Kostenarten unter Berücksichtigung des Beschäftigungsgrades

Eines der wichtigsten Merkmale, nach denen sich die in einem Betrieb anfallenden Kosten unterscheiden lassen, ist der Grad ihrer Reagibilität (Reaktionsfähigkeit) auf Änderungen des am Produktionsvolumen gemessenen Beschäftigungsgrades. Dabei ist zu bemerken, dass der Beschäftigungsgrad zwar nur einer von mehreren Kosteneinflussfaktoren ist, jedoch im Hinblick auf die im Betrieb zu treffenden Maßnahmen einer der wichtigsten.

Will man die Wirkung des Beschäftigungsgrades auf die Kosten möglichst genau erfassen, so muss man gedanklich alle übrigen gleichzeitig wirkenden Einflüsse, wie z.B. Änderung der technischen Ausstattung und der Arbeitsverfahren, geänderte Auftrags- oder Sortenzusammensetzung, Änderung der Preise für Materialien usw. ausschalten und die Einwirkung dieser übrigen Faktoren erst nach Untersuchung der Einflüsse des Beschäftigungsgrades auf das Ergebnis der vorgenommenen Abstraktion einwirken lassen. Untersucht man, wie sich die Kostenarten unter dem Einfluss von Beschäftigungsschwankungen verhalten, so kann man feststellen, dass es grundsätzlich zwei Arten des Kostenverhaltens gibt: Kosten, deren Höhe sich unter dem Einfluss von Beschäftigungsschwankungen ändert und Kosten, deren Höhe bei Beschäftigungsschwankungen konstant bleibt. Im ersteren Falle sprechen wir von variablen, im zweiten Falle von fixen (konstanten) Kosten.

Bei der Betrachtung der Abhängigkeit der Kosten vom Beschäftigungsgrad sieht man als Kriterium am besten die Gesamtkosten.


1) Vgl. Henzel, F., Kosten und Leistung (2. neubearbeitete Auflage der “Kostenanalyse”), Bühl 1941, S. 40 ff.

2) Vgl. Schneider, E., Industrielles Rechnungswesen, 2. Aufl., Tübingen 1954, S. 211 ff., insbesondere S. 213


Für die Beantwortung der Frage, welche Kostenarten fix und welche variabel sind, spielt zunächst einmal die Betrachtungsperiode eine wesentliche Rolle. Auf “lange Sicht” sind alle Kosten variabel. Ein Beispiel möge dies verdeutlichen. Ist mit einer Arbeitskraft wöchentliche Kündigung vereinbart worden, so sind die Lohnkosten dieser Arbeitskraft für eine Woche fest. Auch bei Rückgang des Beschäftigungsgrades ist eine sofortige Entlassung nicht möglich. Bei Angestellten beträgt die Kündigungsfrist u. U. sechs Wochen zu Quartalsende, 3 Monate und noch länger. Die Gehaltskosten stellen für diese Zeiträume fixe Kosten dar. Auf ein Jahr betrachtet sind praktisch alle Personalkosten variabel. Deshalb gelten die angestellten Untersuchungen des Einflusses von Beschäftigungsschwankungen auf die Kosten nur für kurze Perioden, die jedoch zeitlich quantitativ nicht einheitlich festgelegt sind. Eine Periode wird im allgemeinen so lange als kurz bezeichnet, wie die Mengen gewisser Produktionsfaktoren bei Variation der Produktion konstant gehalten werden 1). Der Begriff “kurze Periode” kann also mit fixen Kosten gleichgesetzt werden. Lassen sich die bislang konstant gehaltenen Produktionsfaktoren mit der veränderten Beschäftigungslage in Übereinstimmung bringen, so wird die “kurze Periode” in eine längere bzw. lange Periode” ausgedehnt. Aus den bis dahin fixen Kosten werden variable Kosten.

III. Die verschiedenen Kostentheorien unter Berücksichtigung des Beschäftigungsgrades
A. Die traditionelle Kostentheorie
1. Betrachtungsweise nach Schmalenbach

Als Vertreter der traditionellen Betrachtungsweise gelten vor allem Schmalenbach und Mellerowicz. Dabei gebührt Schmalenbach der Verdienst, als erster Kostentheoretiker den Zusammenhang zwischen Kosten und Beschäftigungsgrad untersucht zu haben.

Entsprechend ihrer Abhängigkeit vom Beschäftigungsgrad unterscheidet Schmalenbach proportionale, fixe, degressive, progressive und regressive Kosten. Er geht davon aus, dass die Begriffe der fixen und variablen Kosten nur unter dem Gesichtspunkt der Abhängigkeit vom Beschäftigungsgrad zu verstehen sind. Alle übrigen gleichzeitig


1) Vgl. Möller, H., Kalkulation, Absatzpolitik und Preisbildung, Wien 1941, S. 12 ff.


wirkenden Einflüsse sind wegzudenken 1). Hierbei ist zu bemerken, dass Schmalenbach von dieser Prämisse im Laufe seiner Ausführungen mehrmals abweicht.

a) Über die proportionalen Kosten schreibt Schmalenbach:

“Es gibt Betriebe, deren gesamte Kosten sich dem Beschäftigungsgrad einigermaßen anpassen. Geht der Beschäftigungsgrad auf die Hälfte zurück, so fallen auch die Kosten auf die Hälfte; geht die Menge der Erzeugnisse auf das Doppelte hinauf, so steigen die Kosten auf das Doppelte.” 2) (Vgl. Abb. 1)

Betriebe, deren Gesamtkosten genau auf den Pfennig proportional sind, gibt es nach Meinung von Schmalenbach nicht. Betrachtet man die einzelnen Kostenarten im Betrieb, so haben das Fertigungsmaterial und der Fertigungslohn, insbesondere als Stücklohn, annähernd proportionalen Charakter. Weiterhin führt Schmalenbach Sondereinzelkosten an, die auf die Produktionsmenge berechnet werden, wie Lizenzen oder gewisse Prämien 3).

Bezogen auf die Leistungseinheit sind die proportionalen Gesamtkosten konstant.

b) Fixe Kosten

Schmalenbach beschreibt sie folgenderweise:

“Ist der Beschäftigungsgrad eines Betriebes auf seine Gesamtkosten ohne Einfluss, so haben wir einen Betrieb mit absolut fixen Kosten vor uns.” 4) (Vgl. Abb. 2)

Betriebe mit ausschließlich fixen Kostenarten, also mit fixen Gesamtkosten gibt es ebenfalls nicht. Betriebe mit annähernd fixen Kosten gehören beispielsweise dem Darbietungsgewerbe an, wie Film- und Theaterbetriebe. In stark kapitalintensiven und anlagebedingten Betrieben der Grundstoffindustrie und Betrieben der Energiewirtschaft (Braunkohlenbergbau, Elektrizitätswerke usw.), deren Zwangslauffertigung (Chemie, Papier usw.) und des Verkehrs (Eisenbahnbetriebe), in denen hohe Kosten für Abschreibungen, Zinsen, Instandsetzungen, Versicherungen und Gehälter anfallen, sind


1) Vgl. Schmalenbach, El, Kostenrechnung und Preispolitik, 7. Aufl., Köln und Opladen 1956, S. 40

2) Derselbe, a.a.O., S. 45

3) Vgl. derselbe, a.a.O., S. 46

4) Derselbe, a.a.O., S. 48


die Kostenarten nicht absolut fix, sondern schwer veränderlich. Außerhalb des technischen Bereiches treten vor allem die Verwaltungskosten als Fixkosten auf 1).

Die Fixkosten werden in immer stärkerem Maße ein besonderes Kennzeichen des modernen Betriebes. Doch kann man sie schon in Zeiten finden, in denen es moderne Unternehmungen überhaupt noch nicht gegeben hat.

William Senior, ein englischer Nationalökonom der klassischen Schule, schreibt, dass in einem Werk gewisse Kosten entstehen, die im gleichen Maße laufen, gleichgültig ob das Werk lange oder kurze Zeit arbeitet: z.B. Pacht, Abgaben, Steuern, Feuerversicherung, Löhne von einigen dauernden Angestellten und noch verschiedene andere Kosten, die im Verhältnis zum Gewinn mit wachsender Produktion fallen 2).

Verrechnet man fixe Gesamtkosten auf die Leistungseinheit, so ergibt sich mit zunehmender (abnehmender) Ausbringung ein fallender (steigender) Stückkostenanteil. Diese Erscheinung bezeichnet man den Degressionseffekt der fixen Kosten.

Bezeichnet man die fixen Kosten als jenen Teil der Gesamtkosten, der für die Erhaltung der Betriebsbereitschaft aufgewendet wird, so entsteht leicht die falsche Vorstellung, dass es sich hier um Kosten handele, die ohne Rücksicht auf die Produktionsmenge vom kleinsten bis zum größten Produktionsquantum ewig gleich bleiben müssten. In einem Beispiel zeigt Schmalenbach, dass dies dem praktischen Vorkommen nicht gerecht wird. 3).

Ein Unternehmen, das bei achtstündigem Betrieb tausend Stück einer Ware herstellt, vermag diese Erzeugung zu verdoppeln, wenn eine zweite achtstündige Schicht eingelegt wird. Durch die Vermehrung der Schichten erhöhen sich aber auch die Kosten, die man vorher als Kosten der Betriebsbereitschaft, also als fixe Kosten angesehen hat. Anstelle der früheren Betriebsbereitschaft für eine Schicht muss eine vermehrte Betriebsbereitschaft für eine Doppelschicht geschaffen werden.

Wir haben es hier mit so genannten Sprungkosten zu tun, die innerhalb gewisser Grenzen vom Beschäftigungsgrad unabhängig sind, dann aber bei Überschreitung dieser Grenzen plötzlich in die Höhe springen, um dann wieder fix zu bleiben. Als Gesamtkosten verlaufen sie treppenförmig, als Stückkosten degressiv, jedoch springt auch die Kurve der Intervall fixen Stückkosten bei jeder Erhöhung der Gesamtkosten; die Degression beginnt sofort von neuem. (Vgl. Abb. 3)

Schmalenbach ordnet die Sprungkosten den fixen Kosten zu und entwickelt folgende neue Definition:


1) Schmalenbach, E., a .a. O., S. 49

2) Vgl. Senior, W.,

3) Schmalenbach, E., a. a .O., S. 58


“Fixe Kosten sind solche Kosten, die innerhalb bestimmter Beschäftigungsgrenzen vom jeweiligen Beschäftigungsgrad unabhängig sind. Werden die Beschäftigungsgrenzen nach oben oder unten überschritten, so verändert sich auch die Höhe der fixen Kosten und zwar sprunghaft.” 1)

Durch die Länge und die Anzahl der Stufen kann man die Anpassungsfähigkeit der fixen Kosten an die Beschäftigung verfolgen. Je kleiner die Beschäftigungsintervalle werden, je häufiger also die “Sprünge” erfolgen, desto mehr nähern sich die festen Sprungkosten den proportionalen Kosten.

An dieser Stelle sei kurz auf die Ausführungen Lohmanns über die Kostenremanenz eingegangen 2).

Die sprunghaft beweglichen Kostenarten lassen sich bei rückläufiger Beschäftigung häufig nicht oder nicht ohne weiteres abbauen.

Auf der rechten Seite der Abb. 3 sind in den Punkten 300 und 700 der Abszisse, auf der linken Seite in den Punkten 1200 und 1600 der Ordinate gestrichelte Linien in Richtung des bisherigen Bewegungslaufes eingezeichnet. Damit soll auf die so genannte Kostenremanenz aufmerksam gemacht werden. Bei zurückgehendem Nutzungsgrad pflegen nämlich manche Kostenarten nicht unbedingt reversibel zu sein, wie z.B. die direkten Rohstoffkosten, sondern sich wie die Abschreibungs- und Reparaturkosten von Maschinen unbeweglicher anpassen zu lassen. Diese steigen zwar mit zunehmendem Nutzungsgrad, aber ihr Abbau erfolgt nur zögernd.

So haben auch die Löhne mindestens innerhalb der Kündigungsfrist die Tendenz, remanent zu bleiben.

Oft spielen bei der Kostenremanenz auch arbeitsrechtliche, soziale, betriebspolitische Gründe eine Rolle.

c) Degressive Kosten

“Degressive Gesamtkosten sind dadurch gekennzeichnet, dass die gesamten Kosten mit steigendem Beschäftigungsgrad zwar steigen, dass aber die Kostensteigerung geringer ist, als die Steigerung der Beschäftigung.” 1) (Vgl. Abb. 4)


1) Schmalenbach, E., a. a. O., S. 58

2) Vgl. Lohmann, M., Einführung in die Allgem. Betriebswirtschaftslehre, 4. Aufl., Tübingen 1964, S. 60


Diese degressiven Gesamtkosten, die bisweilen auch als unterproportionale Kosten bezeichnet werden, bestehen - immer nur rechnerisch gesehen - aus einem fixen und proportionalen Bestandteil.

Fast alle Betriebe haben nach Schmalenbach innerhalb bestimmter Beschäftigungsgrade einen degressiven Kostenverlauf. Wird die Beschäftigung, für die der Betrieb normal angelegt ist, weiter ausgedehnt, so pflegt die Degression der Kosten aufzuhören und sich oft plötzlich in ihr Gegenteil, die Progression zu verwandeln. Oft ist eine weitere Belastung ohne Betriebserweiterung nicht mehr möglich 2).

Rechnet man die degressiven Kosten auf die Leistungseinheit, so zeigen auch die Stückkosten einen degressiven Verlauf, jedoch nehmen sie absolut ab - also nicht nur im Verhältnis zu ihrer Bezugsgröße.

Während die proportionalen und fixen Kosten immer nur in einer Art auftreten, gibt es bei den degressiven, progressiven und regressiven Kosten viele Erscheinungsformen. Die Degression kann stark sein; die Kosten nähern sich dann den fixen Kosten. Sie kann aber auch schwach sein; die Kosten nähern sich dann den proportionalen Kosten.

Als Beispiel für besonders starke Kostendegression wählt Schmalenbach Verkehrsbetriebe wie Eisenbahnen, Speditionsbetriebe, Lagerhäuser, Postanstalten. Einzelne degressive Kostenarten führt Schmalenbach nicht an, doch könnte man als Beispiel Instandsetzungen, Wasser-, Strom- und Gaskosten anführen 3).

Betriebe mit starker Degression sind äußerst empfindlich gegen Unterbeschäftigung, wie das zum Beispiel bei den großen Massenherstellungsbetrieben der Fall ist. Ein Stillstand von wenigen Tagen oder eine zu geringe Beschäftigung kann diese Betriebe rasch wieder um ihre Erfolge bringe.

In der 7. Auflage seines Werkes “Kostenrechnung und Preispolitik” unterscheidet Schmalenbach zwei Arten der Kostendegression: die lineare und die unlineare Degression.

Bei der linearen Degression treten zu einem für die Gesamtkapazität einheitlichen Fixkostenbetrag beschäftigungsabhängige proportionale Kosten 4). (Vgl. dazu den Verlauf der Gesamt- und Stückkostenkurve auf Abb. 5 u. 6).

Das Absinken der Stückkostenkurve ist in diesem Fall eindeutig auf den Degressionseffekt der fixen Kosten zurückzuführen.


1) Schmalenbach, E., a. a. O., S. 61

2) Vgl. derselbe, a. a.O., S. 61

3) Vgl. derselbe a. a. O., S. 63

4) Vgl. derselbe a. a. O., S. 65


Für die unlineare Degression entwickelt Schmalenbach eine Kurve, deren Verlauf in Abb. 7 dargestellt ist 1).

Die zugehörige Stückkostenkurve entspricht in ihrem Verlauf tendenzmäßig derjenigen bei linearer Degression. Auch in diesem Fall sinken die Stückkosten mit steigender Ausbringung.

Die Degression hält so lange an, solange die zusätzlichen Kosten für jede weitere Leistungseinheit kleiner als die Durchschnittskosten bis dahin sind 2).

d) Progressive Kosten

Schmalenbach bezeichnet als progressive Kosten “solche Kosten, die mit zunehmender Beschäftigung sowohl in ihrer Gesamtheit als auch pro Leistungseinheit steigen” 3). (Vgl. Abb. 8)

Während die fixen und degressiven Kosten diesseits der proportionalen stehen, stehen die progressiven Kosten jenseits derselben. Man bezeichnet deshalb vielfach die degressiven Kosten als unterproportionale Kosten, die progressiven Kosten dagegen als überproportionale Kosten.

Progressive Kosten entstehen vor allem bei übermäßiger Beschäftigung. Das Kostengefüge entfernt sich hierbei vom Optimalpunkt, wobei allerdings die Überanstrengung, selbst die dauernde Überanstrengung nicht notwendigerweise zu Krankheiten führen muss.

Beispiel einer Progression sind die Erhöhung der Tourenzahlen bei Maschinen oder die Auszahlung progressiver Prämien, um die Arbeiter zu größeren Leistungen anzuspornen.

Sowohl die Gesamtkosten als auch die Stückkosten steigen absolut und relativ.

e) Den regressiven Kosten misst Schmalenbach wenig Bedeutung bei.

Man spricht von ihnen dann, wenn bei zunehmendem Beschäftigungsgrad die Gesamtkosten absolut abnehmen. Die Stückkosten sind dann sehr stark degressiv. (Vgl. Abb. 9)


1) Schmalenbach, E., a. a. O., S. 66

2) Vgl. derselbe, a. a. O., S. 67

3) Derselbe, a. a. O., S. 68


f) Zusammenfassendes Beispiel:

In folgendem konstruierten Beispiel zeigt Schmalenbach die Kostenkategorien mit Ausnahme der regressiven Kosten hintereinander 1).

Monatl. Leistungs-
Menge / Stück
Gesamtkosten
DM
Durchschnittskosten
pro Leistungseinheit/DM
500 100 000 200
800 100 000 125
1 000 100 000 100
1 200 108 000 90
1 600 128 000 80
2 000 150 000 75
2 400 180 000 75
2 800 210 000 75
3 200 256 000 80
3 600 324 000 90
4 000 400 000 100

Diese Zahlen sind in dem folgenden Diagramm veranschaulicht. Die Beschäftigungsspanne 2000 - 2800 Stück stellt diejenige Produktion dar, bei der die Kosten eine Weile proportional verlaufen. Bei geringerer Produktion verlaufen die Kosten degressiv, bei höherer Produktion progressiv. Um das zu zeigen, ist die Proportionalität als gestrichelte Linie nach oben und unten verlängert.

Es ist zu beachten, dass die wiedergegebene Gesamtkostenkurve in der Regel nichts mit dem effektiven Verlauf der Gesamtkosten eines Betriebes zu tun hat. Auf keinem Fall darf angenommen werden, dass zuerst die fixen Kosten vorhanden wären, dann die degressiven folgten, diesen sich die proportionalen und dann die progressiven Kosten anschließen würden.


1 Vg. Schmalenbach, E., a. a. O., S. 72 f


2. Betrachtungsweise nach Mellerowicz

Neben Schmalenbach zählt wohl Mellerowicz zu den bedeutendsten Vertretern der traditionellen Betrachtungsweise. Nach dem Verhalten der Kosten bei Beschäftigungsänderungen unterscheidet er

„a) fixe Kosten
aa) absolut fixe Kosten
bb) relativ fixe Kosten
b) veränderliche Kosten
aa) proportionale Kosten
bb) unterproportionale Kosten.“ 1)

„Die fixen Kosten entstehen vor allem aus der Bereitschaft zur Produktion, aus der vorhandenen Kapazität. Sie werden deshalb auch als Kapazitätskosten bezeichnet. Dies gilt mindestens für die absolut fixen Kosten, während die relativ fixen auch auflagefix sein können.“ 2) Die absolut fixen Kosten sind Stillstandskosten, die allein durch das Bestehen des Betriebes entstehen. Die relativ fixen Kosten sind fixe Kosten auf kurze Sicht, bedingt durch Aufnahme und Erweiterung der Produktion: z.B. Gehälter für leitende Angestellte. Sie können bei sinkendem Beschäftigungsgrad wieder abgebaut werden.

Die fixen Kosten sind sowohl von betriebswirtschaftlicher, als auch von volkswirtschaftlicher Problematik. Sie erschweren das Anpassungsvermögen der Betriebe an veränderte Marktlagen dadurch, dass sie steigende Einheitskosten gerade dann hervorrufen, wenn die Preise fallen, z.B. bei absteigender Konjunktur 3).

Die veränderlichen Kosten sind vom Beschäftigungsvolumen abhängig. Als Gesamtkosten steigen und fallen sie im Verhältnis des Beschäftigungsgrades; als Kosten für die Einheit bleiben die proportionalen Kosten gleich, als unterproportionale Kosten nehmen sie in bestimmten Grenzen ab 4).


1) Mellerowicz, K., Kosten und Kostenrechnung, Bd. I., Theorie der Kosten, 3. Aufl., Berlin 1957, S. 40

2) Derselbe, Kosten und Kostenbegriffe, in: Handwörterbuch der Betriebswirtschaft, 3. Aufl., Berlin 1957, Sp. 3375

3) Vgl. derselbe, Allg. Betriebswirtschaftslehre, Band 1153, 1153 a, 11. Aufl., Berlin 1962, S. 68

4) Vgl. derselbe, Kosten und Kostenrechnung, Bd. I, Theorie der Kosten, 3. Aufl., a. a. O., S. 41


Die Gesamtkosten umfassen alle bei einem bestimmten Ausnutzungsgrad der Betriebskapazität anfallenden Kosten. Sie können sich nach Mellerowicz degressiv, proportional oder progressiv entwickeln. Über die direkte Abhängigkeit der Gesamtkosten vom Beschäftigungsgrad, die ja bei der traditionellen Betrachtungsweise eine äußerst wichtige Rolle spielt, schreibt Mellerowicz folgendes:

„Die Gesamtkostenhöhe eines Betriebes beruht auf der Höhe der einzelnen Kostengruppen bzw. Kostenarten, aus denen sich die Gesamtkosten zusammensetzen. Die größenmäßige Entwicklung (Verlauf) der Gesamtkosten während verschiedener Beschäftigungsgrade innerhalb eines Zeitraumes ist also die Resultante der größenmäßigen Entwicklung der einzelnen Kostenarten. Die verschiedenen Kostenarten reagieren nun unterschiedlich auf Beschäftigungsänderungen, manche sofort und in gleicher Weise, wie sich die Beschäftigung ändert, manche nur zögernd; manche behalten ihre ursprüngliche Höhe, gleichgültig, ob die Beschäftigung steigt oder fällt.“ 1)

c) Der Reagibilitätsgrad

Um das Verhalten der Kosten gegenüber Änderungen des Beschäftigungsgrades ausdrücken zu können, entwickelt Mellerowicz den Begriff des Reagibilitätsgrades. „Aus der prozentualen Änderung des Beschäftigungsgrades (b) und der prozentualen Änderung der zu untersuchenden Kostenart (k) ergibt sich der Reagibilitätsgrad der Kosten (r)“. 2)

                      prozentuale Kostenänderung                     k
Reagibilitätsgrad  =  ----------------------------------     r =   -----
                      Prozentuale Beschäftigungsänderung             b

r =  0  = fixer
r <  1  = degressiver
r =  1  = proportionaler
r >  1  = progressiver   Kostenverlauf

Mellerowicz vertritt die Auffassung, dass die proportionalen Kosten den für sie zutreffenden Reagibilitätsgrad „1“ nicht durch alle Beschäftigungsgrade hindurch beibehalten. Bei Überschreiten eines bestimmten Beschäftigungsgrades steigt der Reagibilitätsgrad der proportionalen Kosten über 1 hinaus. Ein über 1 liegender Reagibilitätsgrad bedeutet also eine Wandlung vom proportionalen zum


1) Mellerowicz, K., a. a. O., S. 285

2) Derselbe, a. a. O., S. 286


überproportionalen Charakter. Aus den proportionalen Kosten entwickeln sich auf diese Art die überproportionalen Kosten 1). Die von Schmalenbach als progressiv bezeichneten Gesamtkosten entstehen bei Mellerowicz dadurch, dass die proportionalen Leistungselemente über ihre Elastizitätsgrenze hinaus in Anspruch genommen werden. Als Beispiel seien Überstundenzuschläge für Arbeiter und höherer Materialverbrauch bei längerer Arbeitszeit infolge von Übermüdungserscheinungen erwähnt. Mellerowicz weicht in diesem Falle jedoch von der Prämisse ab, alle Kosteneinflussgrößen außer dem Beschäftigungsgrad konstant zu halten. Im vorliegenden Falle werden die Faktorpreise (Überstundenzuschläge) und die Faktorqualitäten (höherer Materialverbrauch) bei der Arbeit verändert.

Bei fixen Kosten ist der Reagibilitätsgrad gleich Null. Mellerowicz stimmt hier weitgehend mit Schmalenbach überein, deshalb kann auf weitere Ausführungen verzichtet werden. Auch Mellerowicz ist der Ansicht, dass fixe Kosten nur bei einer kurzfristigen Betrachtung entstehen können. „Auf lange Sicht gibt es überhaupt keine fixen Kosten.“ 2)

Über die unterproportionalen Kosten schreibt Mellerowicz: „Bei den weitaus meisten Kosten liegt der Reagibiltätsgrad zwischen 0 und 1. Allen diesen Kosten ist gemeinsam, dass sie zwar Beschäftigungsänderungen folgen, jedoch nicht so schnell und nicht im gleichen Ausmaß, wie die Beschäftigungsänderungen vor sich gehen.“ 3)

Bei zunehmender Beschäftigung können nach Mellerowicz auch die unterproportionalen Kosten schließlich ihren Charakter ändern. Werden die Elastizitätsgrenzen (worunter man den Optimalpunkt zu verstehen hat) überschritten, so steigt der Reagibilitätsgrad der ursprünglich unterproportionalen Kosten unter Umständen auf 1 oder nimmt sogar einen größeren Wert an 4).

d) Idealtypische Gesamtkurve

Aus den verschiedenen Verhaltensweisen der einzelnen Kostenarten entwickelt Mellerowicz eine idealtypische Gesamtkostenkurve. Sie soll als analoge Entwicklung seiner Darstellung verstanden werden, nicht jedoch als Umkehrung der Funktion des Ertragsgesetzes.


1) Mellerowicz, K., a. a. O. , S. 287

2) Derselbe, a. a. O., S. 288

3) Derselbe, a. a. O., S. 289

4) Vgl. derselbe, a. a. O., S. 290


Der Verlauf der Gesamtkosten: (Vg. Abb. 10)

  1. Die fixen Kosten, die bei zunehmendem Beschäftigungsgrad konstant bleiben, werden durch eine Parallele zur Abszisse dargestellt.

  2. Die Kurve der unterproportionalen Kosten, beginnend in Höhe der fixen Kosten, verläuft bis zur Ereichung des Beschäftigungsgrades, bei dem die Kosten ihren Charakter ändern und zu proportionalen, bzw. überproportionalen Kosten werden, konvex zur Ordinate. Sodann nimmt die Kurve einen konkaven Verlauf an.

  3. Die proportionalen Gesamtkosten werden, solange keine Charakteränderung eintritt, durch eine Gerade dargestellt, die eine bestimmte Steigung aufweist und durch den Koordinatensprung geht.

In der Degression befindet sich ein Betrieb so lange, wie seine Kapazität nicht voll ausgenutzt ist. Es ist derjenige Beschäftigungsbereich, der bei fortschreitender Beschäftigung durch abnehmende Stückkosten gekennzeichnet ist. Mit steigender Erzeugungsmenge wird der Anteil der Kapazitätskosten immer geringer.

Haben die Stückkosten ihr Minimum erreicht, so spricht man von der Proportionalitätszone. Bei steigendem Beschäftigungsgrad nehmen die Gesamtkosten hier relativ genau so stark zu, wie die Produktmenge. Die proportionale Zone ist bei dieser idealtypischen Darstellung nur ein Punkt oder nur eine ganz kurze Strecke. Man bezeichnet diesen Punkt, bei dem die Stückkosten ihr Minimum erreichen, auch als Betriebsoptimum. Hier hat der Quotient aus Gesamtkosten und Leistungsmenge sein Minimum, der Quotient aus Leistungsmenge und Gesamtkosten sein Maximum erreicht.

In Progression befindet sich ein Betrieb, wenn bei steigender Beschäftigung die Gesamtkosten schneller ansteigen als die erzeugte Menge. Der Kostenzuwachs nimmt immer mehr zu.

Aus der Gesamtkostenkurve kann man die Stückkostenkurve ableiten; denn die Stück- oder Einheitskosten sind gleich dem Quotient aus den bei einer bestimmten Beschäftigungshöhe anfallenden Gesamtkosten und der entsprechenden Produktmenge.

Vgl. Abb. 11

e) Grenzkostenbetrachtung

Den Begriff der Grenzkosten, der bei der Betrachtung des Kostenverlaufes besonders wichtig ist, gewinnt Mellerowicz über die Entwicklung der Begriffe Differenzkosten und Differentialkosten.

Mellerowicz versteht unter den Differenzkosten den „Gesamtkostenunterschied zweier Beschäftigungssschichten“ 1). Er schreibt: „Wenn wir die Gesamtkosten eines Betriebes zwischen zwei verschiedenen Beschäftigungsgraden betrachten und die Differenz in der Gesamtkostenhöhe, die sich hierbei ergibt, feststellen, so bekommen wir als Ergebnis die Differenzkosten zwischen zwei Produktionsschichten.“ 2)

„Differentialkosten sind die auf die Einheit bezogenen Differenzkosten (Quotient aus Differenzkosten und Zusatzproduktion)“. 3)

Mellerowicz bezeichnet sie auch als „Einheitsdifferentialkosten“ 4).

„Grenzkosten sind schließlich Einheitsdifferentialkosten der letzten Schicht.“ 5) Jede Erhöhung der Beschäftigung um einen bestimmten Betrag bringt die Entstehung neuer Differenz- und Differentialkosten mit sich. Mit Grenzkosten bezeichnet man bei dieser Betrachtung also jene Differentialkosten, die bei der zuletzt vorgenommenen Steigerung der Beschäftigung angefallen sind. Schmalenbach bezeichnet die Grenzkosten als die „zusätzlichen Kosten für die Erstellung einer Leistungseinheit“ 6) und stimmt damit mit Mellerowicz weitgehend überein.

Mellerowicz weist auch auf die große Bedeutung der Grenzkosten für die Betriebspolitik hin und schreibt unter anderem:


1) Mellerowicz, K., Kosten und Kostenrechnung, Bd. I, Theorie der Kosten 3. Aufl., a. a. O., S 355

2) Derselbe, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Zweiter Band, 8. Aufl., Berlin 1954, S. 64

3) Derselbe, Kosten und Kostenrechnung, Bd. I, Theorie der Kosten, 3. Aufl., a. a. O. , S. 355

4) Vgl. derselbe, a. a. O., S. 355

5) Derselbe, a. a. O., S. 355

6) Schmalenbach, E., Kostenrechnung und Preispolitik, 7. Aufl. a. a. O. , S. 75


„Die große Bedeutung der Grenzkosten wird leicht erkennbar, wenn man daran denkt, dass sie es sind, die eine Veränderung der betrieblichen Kosten herbeiführen. Erst durch die neue Beschäftigungsschicht und die mit ihr verbundenen zusätzlichen Kosten kommt die Veränderung in die Betriebs- und Kostenlage. Auf die Veränderung und ihre Ursache aber kommt es an.“ 1)

Verlauf der Grenzkosten (Vgl. Abb. 12 u. 13)

Die Grenzkostenkurve nimmt zunächst einen fallenden Verlauf bis zum Wendepunkt der Gesamtkostenkurve (A), weil die Gesamtkostenzuwächse infolge der besseren Ausnutzung der Kapazität abnehmen und dadurch auch die Differentialkosten je Schicht kleiner werden. Rechts des Wendepunktes steigen die Grenzkosten wieder an. Sie liegen jedoch unter den Einheitskosten, solange letztere bei zunehmender Beschäftigung auf Grund des Degressionseffektes der fixen Kosten noch sinken.

(B) ist Schnittpunkt der Durchschnittskostenkurve mit der Grenzkostenkurve. Es ist zwingend der tiefste Punkt der Einheitskostenkurve, weil hier der Kostenzuwachs gleich den Einheitskosten ist; vor Erreichung dieses Punktes sind die Einheitskosten größer als der Kostenzuwachs durch Mehrproduktion. Die Mehrproduktion senkt also die Einheitskosten. Nach diesem Punkt sind die Einheitskosten geringer als der Kostenzuwachs, die Mehrproduktion erhöht also die Einheitskosten.

Geometrisch lassen sich die Grenzkosten in der Weise ermitteln, dass man an einen beliebigen Punkt der Gesamtkostenkurve eine Tangente legt. Der Tangens des Winkels (a), den die Tangente mit der positiven Richtung der X-Achse bildet, misst das Steigungsmaß der Gesamtkostenkurve im Tangentialpunkt. Verschiebt man die Tangente so lange parallel bis sie die Abszisse im Punkt -1 schneidet, so gibt der Schnittpunkt der Parallele mit der Ordinate die Höhe der Grenzkosten an. 2)


1) Mellerowicz, K., Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Zweiter Band, 11. Aufl., Berlin 1962, S. 125

2) Vgl. Kilger, W., Produktions- und Kostentheorie, Wiesbaden 1958, S. 39/40


II. Die neuere Betrachtungsweise
1. Betrachtungsweise nach Gutenberg

Die Entstehung der neueren Betrachtungsweise in der betriebswirtschaftlichen Kostentheorie ist hauptsächlich auf Gutenberg zurückzuführen, der durch eine klare Abgrenzung zwischen den verschiedenen Kosteneinflussgrößen zu anderen kostentheoretischen Ergebnissen kommt, als die Vertreter der traditionellen Kostentheorie. Gutenberg betrachtet die Veränderung der Gesamtkosten nicht nur aus der Sicht des unterschiedlichen Beschäftigungsgrades, sondern unterscheidet fünf

„Haupt-Kosteneinflussgrößen“.

a) Hauptkosteneinflussgrößen

Die Faktorqualitäten

Bisher wurden die Vorgänge im Kostengefüge unter der Voraussetzung untersucht, dass die qualitative Beschaffenheit der produktiven Faktoren bei Variation der Produktmenge unverändert bleibt. Gutenberg lässt diese Voraussetzung fallen. „Es leuchtet unmittelbar ein, dass von mehreren Betrieben, die das gleiche Fertigungsprogramm aufweisen, derjenige die günstigste Kostensituation zeigt, dessen technische Ausrüstung für das Produktionsprogramm am besten geeignet ist, dessen Belegschaft den höheren Leistungsstand aufweist und der mit Werkstoffen arbeitet, die qualitätsmäßig am günstigsten sind.“ 1)

Änderungen der Faktorqualitäten können nach Gutenberg oszillierenden , stetig verlaufenden oder abrupten Charakter tragen.

Oszillative Vorgänge lassen sich nach Gutenberg sowohl im Bereich der elementaren als auch der dispositiven Faktoren feststellen 2).

Der produktive Effekt menschlicher Arbeitsleistung im Betrieb ist von einer Vielzahl

a) subjektiver und b) objektiver Faktoren abhängig. Das Arbeitsverhalten ist im Zeitablauf inkonstant, doch man kann (stark vergröbernd) sagen, dass die positiven und negativen Abweichungen um eine angenommene Arbeitsleistungsnorm pendeln und sich mehr oder weniger kompensieren.

Zu ähnlichen Ergebnissen gelangt Gutenberg im Bereich der beiden Elementarfaktoren: Betriebsmittel und Werkstoff 3).

Schließlich schwankt auch die produktive Leistung der dispositiven Faktoren. Leistungsspitzen und Leistungsminima aber gleichen sich im


1) Gutenberg, E., Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Erster Band, Die Produktion, 3. Aufl. Berlin-Göttingen-Heidelberg 1957 S. 228

2) Vgl. derselbe, a. a. O., S. 228

3) Vgl. derselbe, a. a. O., S. 228


Zeitablauf wieder weitgehend aus. Anders dagegen ist es, wenn Veränderungen in der produktiven Situation so stark sind, dass sie das Kostengefüge spürbar heben oder senken. Diese Vorgänge besitzen nach Gutenberg entweder „stetigen“ oder „mutativen“ Charakter 1). Mutative Änderung bedeutet dabei einen sprunghaften Übergang von einer Produktions- oder Kostensituation in eine andere.

Eine „stetige“ Änderung kann durch technischen Fortschritt, eine „mutative“ durch völlig andersartige Produktion entstehen.

Die Beschäftigung

Änderungen in der Beschäftigung können dadurch entstehen, dass der Betrieb im Rahmen des vorhandenen Bestandes an Produktionsfaktoren sein Produktionsvolumen einer erwarteten Steigerung oder Abnahme des Absatzes anpasst. Eine entsprechende Lagerdisposition kann oder will dabei nicht berücksichtigt werden. Auch daraus ergeben sich nach Gutenberg kostenmäßige Konsequenzen.

Die Faktorpreise

In seiner Untersuchung betrachtet Gutenberg die Kosten als das Produkt aus Faktoreinsatzmengen und Faktorpreisen. Infolgedessen stellen auch die Faktorpreise eine Kosteneinflussgröße dar.

Fertigungsprogramm

Gutenberg schreibt dazu, dass die Produktionskosten auch von dem Fertigungsprogramm und seinen Veränderungen beeinflusst werden. Das Fertigungsprogramm eines Betriebes wird durch produktionstechnische aber auch durch absatzwirtschaftliche Postulate bestimmt. Diese können in die gleiche Richtung tendieren, aber auch entgegen gesetzte Tendenzen aufweisen. Muss die Art der vom Betrieb zu erstellenden Leistungen aufgrund irgendwelcher meist vor der Nachfrageseite herrührenden Umstände geändert werden, so bedingt dies in der Regel eine entsprechende Umstellung bei den Betriebseinrichtungen. Daraus ergeben sich wiederum Änderungen im Kostenniveau 2).

Betriebsgröße

Dazu führt Gutenberg aus: „Hebt man die Voraussetzung: konstante Betriebsgröße auf, dann wird eine fünfte Hauptkosteneinflussgröße sichtbar: die Betriebsgröße.“ 3)


1) Vgl. Gutenberg, E., a. a. O., S. 228

2) Vgl. derselbe, a. a. O., S. 230

3) Derselbe, a. a. O., S. 230


Eine Änderung in der Entwicklung der Gesamtkosten und der Stückkosten tritt jedoch nicht ein, wenn „mit der Betriebserweiterung keine Änderung der Faktorbeschaffenheit und der Faktorproportionen verbunden ist, der neue Betriebsteil also nur ein Vielfaches der bereits vorhandenen Betriebsanlagen darstellt“ 1). Änderungen in der Gesamtkostenentwicklung und der von ihnen abhängigen Kostenkategorien ergeben sich nur, wenn sich durch eine Betriebserweiterung die Betriebseinrichtung ihrer Beschaffenheit nach ändern.

Die neuere Betrachtungsweise wendet streng die isolierende Untersuchungsmethode an. Dies bedeutet, dass stets nur eine der von ihr unterschiedlichen Kosteneinflussgrößen bei strenger Konstanz aller übrigen untersucht wird.

Während die traditionelle Theorie ihren Untersuchungen die Gesamtkapazität des Betriebs zugrunde legt, baut die neuere Theorie ihre Analyse auf den einzelnen betrieblichen Teileinheiten auf.

b) Fixe und variable Kosten

Gutenberg ist der Ansicht, dass der Unterschied zwischen fixen und variablen Kosten nur in der Breite des Beschäftigungsintervalls besteht, innerhalb dessen die Kosten konstant sind. Bei variablen Kosten hat dieses Intervall die Breite einer Produktionseinheit, bei fixen Kosten erstreckt sich ein Beschäftigungsintervall über mehrere Produkteinheiten. In beiden Fällen entsteht bei Unterteilung der Beschäftigung bis auf die einzelnen Produktionseinheiten ein treppenförmiger Verlauf der Gesamtkostenkurve.

(Vgl. dazu Abb. 15 u. 16)

Die Breite der Stufen richtet sich nach der Anpassungsfähigkeit einer Kostenart oder die Teilbarkeit des entsprechenden Produktionsfaktors. Bei vollständiger Teilbarkeit erhält man eine kontinuierlich verlaufende Kurve, es ist die Kurve der variablen Kosten.

Fixe Kosten entstehen durch mangelnde Teilbarkeit vieler Produktionsfaktoren, sie bleiben bei der Erhöhung der Produktion um mehr als eine Einheit konstant. Innerhalb eines Beschäftigungsintervalls werden die fixen Kostenarten aufgrund ihrer mangelnden Teilbarkeit meistens nicht voll ausgenutzt. Der Teil der Kosten, der durch die Produktion nicht genutzt wird, bezeichnet man als Leerkosten 2).

Der andere Teil der fixen Kosten, der dem Verhältnis des genutzten Teiles des Intervalls entspricht, wird von Gutenberg in Anlehnung


1) Gutenberg, E., a. a. O., S. 230

2) Vgl. derselbe, a. a. O., S. 249


an BREDT als Nutzkosten bezeichnet 1).

Wird z.B. eine Anlage überhaupt nicht genutzt, so machen die Leerkosten 100 % aus, die Nutzkosten sind 0. Steigt der Beschäftigungsgrad der Anlage, so nehmen die Leerkosten um den gleichen Betrag ab, um den die Nutzkosten steigen, bis schließlich bei voller Ausnutzung die Nutzkosten 100 %, die Leerkosten 0 betragen.

Die Nutzkosten und Leerkosten geben darüber Aufschluss, inwieweit die Kapazität eines Betriebes bzw. eines Teilaggregates ausgenutzt worden ist. Ihre Aufteilung ist jedoch rein theoretischer Natur, da die infolge der Unteilbarkeit bei abnehmendem Beschäftigungsgrad evtl. auftretenden Leerkosten nicht abbaufähig sind.

Die Abbildung 17 zeigt, dass die Nutzkosten mit steigender Ausbringung zunehmen und bei einer Produktion von 600 Stück 750,-- DM ausmachen. Die Leerkosten nehmen mit Zunahme des Beschäftigungsgrades ab und sind bei einer Ausbringung von 600 Stück auf 250,-- DM abgesunken.

Es sei bei dieser graphischen Darstellung darauf hingewiesen, dass nur die entsprechenden Ordinatenwerte, nicht irgendwelche Flächen die betreffenden Kosten darstellen.

Im Gegensatz zu den bisher behandelten Formen von Fixkosten unterscheidet Gutenberg noch eine zweite Gruppe von Fixkosten, die durch betriebspolitische Entscheidungen aufgrund bestimmter Erwartungen über die spätere Ausnutzung der Produktionsapparatur entstehen 2).

Die Betriebs- und Unternehmensleitung ist imstande, solche Fixkosten durch entsprechende Dispositionen zu vermeiden. Lässt die Geschäftsleitung solche Fixkosten entstehen, so geschieht das, weil mit einer Änderung der Geschäftslage gerechnet wird, die eine Vollausnutzung des Betriebes mit sich bringt. Anfallende Leerkosten werden von der Geschäftsleitung bewusst in Kauf genommen.

c) mittelbarer Zusammenhang zwischen Kostengröße und Beschäftigungsgrad

Für die meisten Kostenarten besteht zwischen der Höhe der Kosten und der Höhe der Beschäftigung keine unmittelbare, sondern nur eine mittelbare Beziehung. Gutenberg schreibt dazu: „Die Schwierigkeiten, in die die Theorie gerät, wenn sie die Kosten unmittelbar als Funktion der Produktmenge (des Beschäftigungsgrades) annimmt,


1) Vgl. Bredt, O., Der endgültige Ansatz der Planung. In: Technik und Wirtschaft 1939, S. 261

2) Vgl. Gutenberg, E., a. a. O., S. 251 ff.


sind vor allem darauf zurückzuführen, dass sie es unterlässt, die technischen Aggregate, Arbeitsplätze und betrieblichen Teileinheiten (also die Betriebsmittel) in Zusammenhang zwischen Verbrauchsmengen und Produktmengen einzuschalten. Denn die Verbrauchsmengen an elementaren, auch an dispositiven Faktoren sind nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar von der Ausbringung abhängig und zwar über die ‘zwischengeschalteten‘ Produktionsstätten. Die technischen Eigenschaften (Leistungsfähigkeit) der Aggregate und Arbeitsplätze bestimmen nach ihren Besonderheiten den Verbrauch an Faktoreinsatzmengen und zwar in durchaus ‘gesetzmäßiger‘ Weise.“ 1)

Die Verbrauchsmengen sind also nicht unmittelbar als Funktionen der Produktmenge (Ertrag), sondern als Funktionen der Aggregatleistung und diese wiederum als Funktionen der Produktmenge zu verstehen.

Zwischen Kosten und Beschäftigungsgrad treten weiterhin die dispositiven Entscheidungen der Unternehmensleitung. Ein direkter Zusammenhang zwischen Kosten und Beschäftigungsgrad lässt sich jedoch nur unter einer konstanten Kapazität und einer „natürlichen menschlichen Verhaltensweise“ vertreten. Wir wissen aber, dass die Art der ergriffenen dispositiven Maßnahmen eine wichtige Einflussgröße darstellen kann und dadurch in unmittelbare Beziehung zu den Gesamtkosten tritt. Die verschiedenen Formen der Produktionsanpassung, unter denen die verantwortlichen Personen wählen können, beeinflussen die Kostenentwicklung unterschiedlich. Daneben ist die Wahl der Anpassungsform aber auch von der fertigungstechnischen Eigenart des Betriebes abhängig.

Der Kurvenverlauf der variablen Kosten kann nicht mehr allgemein gültig bestimmt werden. Vielmehr ist seine Entwicklung von der gewählten Anpassungsform abhängig. Anstatt des idealtypischen Kostenverlaufes können je nach Anpassungsform mehrere Kostenkurvenverläufe auftreten.

d) Verschiedene Anpassungsformen der Beschäftigung an den Absatz

Für die Entwicklung der Gesamtkosten unter dem Einfluss von Beschäftigungsschwankungen unterscheidet Gutenberg zwischen zwei Arten von Produktionsfunktionen (Kombination von Produktionsfaktoren).

aa) Eine Produktionsfunktion sei gegeben, bei der die Faktoreinsatzmenge frei variierbar und dementsprechend die Produktionskoeffizienten (bezeichnen die Menge, mit der ein produktiver Faktor an einer erstellten Leistungseinheit beteiligt ist), veränderlich sind. Variiert man nun in der Weise, dass man eine Faktorgruppe konstant


1) Gutenberg, E., a. a. O. , S. 218 - 219


hält und die andere Faktorgruppe laufend vermehrt, dann folgen die Ertragszuwächse dem Ertragsgesetz. Gutenberg spricht in diesem Falle von der Produktionsfunktion vom Typ A 1).

bb) Die zweite Art der Produktionsfunktion zeichnet sich dadurch aus, dass die Produktionsfaktoren auf Grund ihrer technischen bzw. physikalischen od. chemischen Eigenart nur in bestimmten Mengenrelationen im Produktionsprozess eingesetzt werden können. Hier spricht Gutenberg von der „Produktionsfunktion vom Typ B“.

Hinsichtlich der Anpassung der Beschäftigung an den Absatz ergibt sich nach Gutenberg folgende Einteilung:

  1. Der Produktionsfunktion vom Typ A entspricht die Anpassung nach dem Ertragsgesetz

  2. Der Produktionsfunktion vom Typ B entsprechen

aa) die intensitätsmäßige Anpassung bb) die zeitliche und quantitative Anpassung

Zu 1) Ein Betrieb passt sich nach dem Ertragsgesetz an, wenn seine fertigungstechnischen Grundlagen der Produktionsfunktion vom Typ A entsprechen 1).

Dabei kann ein bestimmter Faktor oder eine Faktorengruppe, die konstant ist, mit jeder beliebigen Menge eines anderen Faktors kombiniert werden. Geht also die Beschäftigung des Betriebes zurück oder steigt sie an, so passt sich der Betrieb mit den variablen Faktoren an 2). Der Grenzertrag des variablen Faktors bildet dann das Maß für die Veränderung der Ausbringung.

Aus dieser Betrachtung entwickelt Gutenberg die Kostenkurve bei Anpassung nach dem Ertragsgesetz. Dazu werden die in die Produktionfunktion eingehenden Faktoreinsatzmengen mit ihren als konstant angenommenen Preisen multipliziert 3). Man erhält eine in Geldeinheiten ausgedrückte „monetäre Ertragsfunktion“.

Der Gesamtertrag (in Geld) ist also eine Funktion der in Geld bewerteten Einsatzmengen der Produktionsfaktoren. Die Einsatzmenge eines Produktionsfaktors, bewertet mit seinem Preis, stellt aber nichts anderes als die Kosten des betreffenden Produktionsfaktors dar.

Die Gesamtkostenfunktion lässt sich nunmehr durch Umkehrung der monetären Produktionsfunktion gewinnen.

Graphisch erfolgt die Umkehrung der monetären Produktionsfunktion in eine Gesamtkostenfunktion auf folgendem Wege. (Vgl. Abb. 1)


1) Vgl. Gutenberg, E., a. a. O., S. 193 ff.

2) Vgl. derselbe, a. a. O. , S. 237

3) Vgl. auch Kilger, W., Produktions- und Kostentheorie, a. a. O., S. 17 und S. 37 ff.


Auf der Ordinate ist der physische Ertrag, auf der Abszisse die Einsatzmenge des variablen Faktors abzutragen. Bewertet man die Produktionsfaktoren und die produzierten Güter (Ertrag) mit festen Preisen, so erhält man die schon erwähnte (monetäre) Ertragsfunktion. Sie beginnt nicht im Nullpunkt des Koordinatensystems, sondern ist um die Kosten des festen Faktors auf der Abszisse nach rechts verschoben. Denn während der physische Gesamtertrag gleich Null ist, wenn auf den festen Faktor (z.B. Maschinen) keine einzige Einheit des variablen Faktors (z. B Arbeit) eingesetzt wird, fallen Gesamtkosten an, auch wenn nicht produziert wird, in Höhe z. B. der Abschreibungen der Anlagen an. Trägt man auf der Ordinate die Kosten in Geld und auf der Abszisse die ausgebrachte Menge des produzierten Gutes (Ausbringung) auf, so ergibt sich eine Gesamtkostenkurve als Spiegelbild der Gesamtertragskurve 2).

Beiblatt: Ertragsgesetz

Die intensitätsmäßige Anpassung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Kapazität des Betriebes bzw. der betrieblichen Teileinheiten und die Betriebszeit konstant gehalten werden, das Leistungspotential aber verschieden stark genutzt wird 3).

Da der technische Wirkungsgrad maschineller Anlagen regelmäßig vor und nach dem optimalen Leistungsgrad schlechter ist, ergibt sich bei intensitätsmäßiger Anpassung meist ein geschwungener Verlauf der Gesamtkostenkurve.

Verallgemeinernd kann gesagt werden, dass eine intensitätsmäßige Anpassung dann vorgenommen wird, wenn die Geschwindigkeit der betrieblichen Leistungserstellung variiert wird.

Bezüglich der Nutz- und Leerkosten ergeben sich folgende Konsequenzen:

„Für den Fall der intensitätsmäßigen Anpassung ist ... charakteristisch, dass Leerkosten grundsätzlich nicht abgebaut werden können, da der Faktorbestand konstant bleibt und nur seine Inanspruchnahme variiert.“ 4)

Wird der Beschäftigungsgrad im Wege der intensitätsmäßigen Anpassung erhöht, so bedeutet dies, dass Leerkosten in Nutzkosten umgewandelt werden.

Das entscheidende Charakteristikum für die zeitliche und für die quantitative Anpassung bildet, im Gegensatz zur intensitätsmäßigen Anpassung, die leistungsmäßig unveränderte


1) Gutenberg, E., a. a. O. , S. 240

2) Vgl. derselbe, a. a. O. , S. 241

3) Vgl. derselbe, a. a. O. , S. 242

4) Derselbe, a. a. O., S. 250


Inanspruchnahme der Produktionsfaktoren während der Nutzungszeit 1). Während bei zeitlicher Anpassung eine Variation der Betriebszeit erfolgt, wird bei quantitativer Anpassung der Betriebsmittelbestand variiert. Nach Gutenberg ist „diese Art, sich an Änderungen der Beschäftigung anzupassen, die in der Industrie vorherrschende“ 2).

Bei der zeitlichen Anpassung wird die Nutzungszeit der einzelnen technischen Teileinheiten variiert. Konstant bleibt die Intensität der Nutzung 3). Die Anpassung erfolgt etwa durch Übergang vom Einschicht- zum Zweischichtbetrieb oder im umgekehrten Fall durch Einlegen von Feierschichten oder Kurzarbeit.

Die Produktionsbedingung „Konstanz der Nutzungsintensität“ bedeutet, dass die Leistungsabgabe der einzelnen Aggregate pro Zeiteinheit konstant gehalten wird.

Da weiterhin bei zeitlicher Anpassung zwischen Betriebszeit und Mengenausbringung bzw. Beschäftigungsgrad eine direkte lineare Abhängigkeit besteht, ist innerhalb der gesamten Betriebskapazität eine linear verlaufende Gesamtkostenkurve möglich.

(Vgl. Abb.)

Die Gesamtkosten bei zeitlicher Anpassung sind gleich dem Produkt aus der Zahl der herzustellenden Mengeneinheiten (x) und dem Quotienten aus den variablen Kosten pro Produktionsstunde (kh) und der in einer Stunde produzierbaren Erzeugnismenge (xh) zuzüglich der fixen Kosten (kc). Die Größen kn, xh und kn sind aufgrund der gewählten und (konstant) gehaltenen Leistungsintensität konstant.

Von den technisch möglichen Leistungsgraden der Aggregate wählt Gutenberg für die zeitliche Anpassung den Leistungsgrad der Normalleistung, d.h. den Leistungsgrad, wo die Leistungserstellung am wirtschaftlichsten erfolgt. 4)

Die Kurve der Einheitskosten fällt, weil der Anteil der fixen Kosten an der Leistungseinheit mit zunehmender Ausbringung immer kleiner wird.

Quantitative Anpassung liegt nach Gutenberg dann vor, wenn Kapazitätsteile vollkommen still gelegt werden 5).

Die quantitativeangewandt werden, wo eine Vielzahl gleichartiger Einheiten in einem Betrieb oder Teilbetrieb vorhanden ist.


1) Vgl. Gutenberg, E., a. a. O., S. 260 ff.

2) Derselbe, a. a. O. , S. 260

3) Vgl. derselbe, a. a. O. , S. 261

4) Vgl. derselbe, a. a. O. , S.262

5) Vgl. derselbe, a. a. O. , S. 260


2. Betrachtungsweise nach Schneider

Schneider hat 1944 in einem Aufsatz 1) kritisch zur Fixkostenlehre Stellung genommen und seine Ansichten 1954 erneut vorgetragen 2).

Schneider verwendet für die Produktion an Stelle des Begriffspaares fixe- und variable Kosten die Begriffe „nicht notwendige“ und „notwendige“ Kosten 3).

Er bezeichnet die Leerkosten als nicht notwendige Kosten und versteht darunter denjenigen Güter- und Diensteverzehr, der in keiner Beziehung zur Produktion und zum Absatz einer Periode steht 4).

Im Gegensatz zu Gutenberg sind für Schneider die Leerkosten ein auf Planungsfehler beruhender übermäßiger Güter- und Diensteverzehr, der keinen Kostencharakter trägt. Auch bei Bosshardt ist der auf eine Mindernutzung der Kapazität zurückzuführende Güterverzehr Aufwand, der keinen Kostencharakter trägt 5).

Mit dieser Anschauung Schneiders haben sich insbesondere Kühn und Gutenberg auseinandergesetzt 6).

Durch seinen Hinweis, dass die fixen Kosten eine Folge von mehr oder weniger freien Dispositionsentscheidungen der Unternehmer seien, hat Schneider eine fruchtbare Diskussion ausgelöst.

Schneider vertritt die Ansicht, dass grundsätzlich alle im Ist als fest auftretenden Kosten ihre Höhe und die Zeitdauer, während der sie diese Höhe behalten, der Willensentscheidung des Unternehmers verdanken. Oft ist es jedoch schwierig, eine Änderung der Entscheidung in Bezug auf die Höhe der Kosten und die Zeitdauer dieser Höhe herbeizuführen. (Beispiel: Einmal geschlossene Gehaltsverträge können im allgemeinen nicht willkürlich geändert werden).

Die Ansichten Schneiders werden besonders von Mellerowicz stark angegriffen:

„Völlig irrelevant ist Schneiders These, dass den fixen Kosten schon deswegen keine so zentrale Stellung eingeräumt werden könne, wie es geschieht, weil sie - wie alle anderen Kosten - Folge von Dispositionsentscheidungen seien. Schneiders Feststellung scheint


1) Vgl. Schneider, E., Die Problematik der Lehre von den festen Kosten, in: Weltwirtschaftliches Archiv, Bd. 60 (1944, II) S. 300 ff.

2) Derselbe, Industrielles Rechnungswesen, 2. Aufl., Tübingen 1954 (letztes Kapitel)

3) Vgl. derselbe, a. a. O. , S. 134 ff.

4) Derselbe, a. a. O. , S. 134

5) Vgl. Bosshardt, E., Leistungsmäßige Kostenrechnung, Zürich 1948

6) Vgl. Kühn, U., Ist die Theorie der fixen Kosten überholt? ZfhF 1955 S. 399 ff.


zwar abstrakt betrachtet, richtig zu sein, geht aber am entscheidenden Problem vorbei. Der Unternehmer ist nicht völlig frei in seinen Wahlentscheidungen. Er ist zwar weder naturgesetzlich noch rechtlich gezwungen, eine Fixkostenlast auf sich zu nehmen, z.B. hochwertige Spezialanlagen anzuschaffen oder Anstellungsverträge mit längerer Kündigungsfrist abzuschließen. Nur wird er in den meisten Fällen nicht mehr konkurrenzfähig sein, wenn er aus Scheu vor der Fixkostenbelastung mit weniger ergiebigen Anlagen oder mit weniger anspruchsvollen Angestellten vorlieb nimmt.“ 1)

Mellerowicz kommt zu dem Ergebnis, dass die Lehre von den fixen Kosten, wie sie einst Schmalenbach entwickelt hat, durch die bisher bekannt gewordenen Gegenargumente nicht entkräftet werden konnte.

C) Der neueren Betrachtungsweise nahe stehende Auffassungen

Den linearen Verlauf der Gesamtkostenkurve, vor allem im Fall rein zeitlicher Anpassung, finden wir neben Gutenberg auch bei Rummel 2) und Walther 3). Im Gegensatz zu diesen Autoren vertritt Henzel die Auffassung, dass zwischen Kosten und Beschäftigungsgrad kein Zusammenhang besteht, aus dem eindeutige Kostenkurven abgeleitet werden können. Diese Anschauung vertritt auch Hasenack.

Über die Abhängigkeit der Kosten vom Beschäftigungsgrad stellt Henzel empirische Untersuchungen an. Dabei kann er weder eine gesetzmäßige Abhängigkeit der Gesamtkosten noch eine solche der einzelnen Kosten von der Höhe der Beschäftigung feststellen. Trotz Beseitigung von Störungsfaktoren und Fehlerquellen zeigten die Kosten „gegenüber dem Beschäftigungsgrad“ ein äußerst sprunghaftes und eigenwilliges Verhalten, dass eine eindeutige Beziehung zwischen Kosten und Beschäftigungsgrad ausgeschlossen sein kann“. 4)

Hasenack lehnt die Gruppierung in fixe und proportionale Kosten ab und verwendet dafür die Begriffspaare „entstehende und vorhandene Kosten“ sowie „verbleibende und fortfallende Kosten“.

„Entstehend Kosten sind Kosten, die durch Mehrerzeugung gegenüber dem bisherigen Produktionsgrad zusätzlich, über die bisherigen Kosten hinaus, entstehen.

Vorhandene Kosten sind auch ohne zusätzliche Produktion bereits vorhanden und können durch eine Mehrproduktion auch nicht erhöht werden.


1) Mellerowicz, K., Allgem. Betriebswirtschaftslehre, 2. Band, 11. Aufl. Berlin 1962, S. 72/73

2) Rummel, K., Einheitliche Kostenrechnung, 3. Aufl., Düsseldorf 1949

3) Walther, A., Einführung in die Wirtschaftslehre der Unternehmung, 1. Band, Der Betrieb, Zürich 1947, S. 225 ff.

4) Henzel, F., Kosten und Leistung, 2. Aufl. der Kostenanalyse, Bühl 1941, S. 154


Fortfallende Kosten kommen bei Erzeugniseinschränkungen im Vergleich zu dem Kostenstand vorher in Fortfall. Verbleibende Kosten sind diejenigen Kosten, die durch eine Erzeugniseinschränkung nicht verschwinden.

Das Begriffspaar entstehende und vorhandene Kosten steht unter der Vorstellung einer günstigen Beschäftigungsveränderung, das Begriffspaar fortfallende und verbleibende Kosten hingegen setzt ungünstiger werdende, sich von oben nach unten verändernde Beschäftigung voraus.“ 1)

IV. Praktische Bedeutung der Beziehung zwischen Kosten und Beschäftigungsgrad

Abschließend soll nunmehr auch kurz die Frage beleuchtet werden, welche praktische Bedeutung der Untersuchung der Beziehung zwischen Kosten und Beschäftigungsgrad für den einzelnen Betrieb zukommt.

Die Beziehungen zwischen Kosten und Mengenausbringung lassen die Kosten in das Feld der Betriebspolitik, vor allem der Preispolitik, rücken.

Sowohl die traditionelle als auch die neuere Kostentheorie ist der Auffassung, dass zunehmende Ausbringen infolge des Degressionseffektes der fixen Kosten Stückkostenminderung bedeutet. Durch weitgehende Spezialisierung, Maschinisierung und Automation erhöhen sich die fixen Kosten und nehmen einen immer größeren Anteil in den Gesamtkosten ein.

Nur bei Vollausnutzung der Kapazität werden die Fixkosten in vollem Umfang zu Nutzkosten. In der Unterbeschäftigung kommen die Leerkosten der ungenutzten Kapazität zur Wirkung, was bei der Kostenverrechnung wiederum zur Steigerung der Einheitskosten führt. Will jedoch der Betrieb seine Leistungserstellung möglichst wirtschaftlich gestalten, so müssen die Beziehungen zwischen Kosten und Beschäftigungsgrad in die wirtschaftlichen Überlegungen der Betriebs- und Unternehmensleitung mit einbezogen werden.

Mellerowicz schreibt, dass es nicht darauf ankommt, im Preis stets die volle Deckung aller Kosten zu erhalten 2). Er weist hier besonders auf die Depressionszeiten hin,


1) Hasenack, W., Das Rechnungswesen der Unternehmung, Leipzig 1934, S.65 - 66

2) Mellerowicz, K., Allg. Betriebswirtschaftslehre, a. a. O. , S. 123


in denen die Betriebe nie voll beschäftigt sind; ihre Kapazität entspricht hier, wenn sie richtig bemessen ist, nicht einem so niedrigen Beschäftigungsgrad, wie er in der Depressionszeit auftritt. Auf der anderen Seite kann die Kapazität auch nicht an die Überbeschäftigung einer Hochkonjunktur angepasst werden. Vielmehr muss sie der Normallage entsprechen. Erweiterungen dürfen nur im Rahmen des Normalwachstums (Trend) angebracht werden. Doch gegen diese Tatsache wird allgemein verstoßen. So heißt die größte betriebswirtschaftliche Sünde unserer Zeit: Überkapazität.

In Zeiten schlechter Beschäftigung kann ein Auftrag nur dann angenommen werden, wenn der erzielbare Erlös zumindest die zusätzlich durch den Auftrag verursachten Kosten deckt. Bezeichnet man die variablen Kosten als die unvermeidbaren, so bedeutet jeder Mehrertrag, der über die variablen Kosten hinausgeht, einen relativen Gewinn. Die fixen Kosten, die sowieso entstehen, sind zunächst als verloren zu betrachten. Es entsteht neben dem relativen Gewinn ein absoluter Verlust in Höhe der nicht gedeckten fixen Kosten.

Kostenänderungen als Folge von Beschäftigungsschwankungen sind auch für die Betriebskontrolle von Bedeutung. Sie finden vornehmlich in der Plankostenrechnung Berücksichtigung. Die Bedeutung der Plankostenrechnung liegt vor allem darin, dass sie Aufschlüsse darüber vermittelt, wo innerhalb der Gesamtkosten Kostenbeeinflussungen mit dem Ziel der Steigerung der Wirtschaftlichkeit der Leistungserstellung möglich sind.


Beiblatt Ertragsgesetz Seite 25 (Mitte)

Die Gültigkeit des Ertragsgesetzes für die industrielle Produktion wird von Gutenberg jedoch bezweifelt 1). Oft ist in der industriellen Produktion ein freies Variieren der Faktorproportionen nicht möglich. Die zunehmende Technisierung und Automatisierung hat trendartig eine Umwandlung substitutionaler in limitionale Prozesse zur Folge.

Die technologischen Gegebenheiten der maschinellen Aggregate machen aber auch eine Isolierung der Ertragsänderungen des variierten Einzelfaktors oft unmöglich. Partielle Grenzerträge der einzelnen Faktoren können nicht ermittelt werden.

Diese und viele andere Gründe machen eine Anpassung nach dem Ertragsgesetz in der industriellen Produktion fast unmöglich.


1) Gutenberg, E., Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, 1. Band, Die Produktion, 3. Aufl., a. a. O. , S. 202


Ich versichere hiermit, dass ich diese Arbeit selbständig angefertigt, nicht anderweitig für Prüfungszwecke vorgelegt und alle benützten Quellen und Hilfsmittel angegeben habe.

München, im Februar 1965 Johann Lehrer


Literatur-Verzeichnis

I. Verzeichnis des benutzten Schrifttums
1. Bücher

Boßhardt, E.: Leistungsmäßige Kostenrechnung, Zürich 1948

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Hasenack, W.: Das Rechnungswesen der Unternehmung, Leipzig 1934.

Heinen, E.: Betriebswirtschaftliche Kostenlehre, Bd. I Wiesbaden 1959

Henzel, F.: Kosten und Leistung, 2. Auflage der „Kostenanalyse“, Bühl 1941

Kalveram, W.: Kostenrechnung (Band III), Wiesbaden 1963

Kilger, W.: Produktions- und Kostentheorie, Wiesbaden 1958.

Lohmann, M.: Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, 4. Aufl., Tübingen 1964

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Mellerowicz, K.: Allgem. Betriebswirtschaftslehre, Zweiter Band, 11.Aufl., Berlin 1962

Mellerowicz, K.: Kosten und Kostenrechnung, Bd. I, Theorie der Kosten, 3. Aufl., Berlin 1957

Möller, H.: Kalkulation, Absatzpolitik und Preisbildung, Wien 1941.

Rössle, K.: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 5. Aufl. Stuttgart 1956.

Rummel, K.: Einheitliche Kostenrechnung, 3. Aufl., Düsseldorf 1949.

Schmalenbach,E.: Kostenrechnung und Preispolitik, 7. Aufl., Köln/Opladen 1956.

Schneider, E.: Industrielles Rechnungswesen, 2. Aufl., Tübingen 1954

v. Stackelberg, H.: Grundlagen einer reinen Kostentheorie, Wien 1932

Walther, A.: Einführung in die Wirtschaftslehre der Unternehmung, Erster Band, 1. Aufl., Zürich 1948

Wöhe, G.: Allgem. Betriebswirtschaftslehre, Berlin und Frankfurt a.M., 5. Aufl. 1963