Ehe für alle

Ehe für alle

Die Kirche hat in grauer Vorzeit,
die Ehe zwischen Mann und Frau
zu einem Sakrament erhoben
und kam sich dabei vor recht schlau.

Was anderen sie aufgetragen,
galt nicht für's Kirchenpersonal,
schloss Priester aus vom Vater werden,
die Ehe stand niemals zur Wahl.

Ehe für alle

Auch Rasse, Hautfarbe und Herkunft,
waren der Ehe lang im Weg,
„Ehe für alle oder keinen,
Schluss mit dem Pärchenprivileg.“

Gott fragt die Menschen, die sich lieben,
nicht neugierig nach dem Geschlecht,
ihm sind zwei Männer oder Frauen,
als Ehepaar genauso recht.

Er will, dass sie einander mögen
und zur Verantwortung bereit,
so wurd' für Gott es mit der Ehe,
die alle angeht, höchste Zeit.

Hans Lehrer




Ehe für alle


von: MARGOT KÄßMANN
Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche Deutschland

Was würde Jesus wohl zur „Ehe für alle“ sagen, wird jetzt gefragt.

Da müssen wir uns klarmachen: Eine offizielle lebenslange Partnerschaft von zwei Männern oder zwei Frauen war zu seiner Zeit überhaupt nicht im Blick. Ebenso war eine reine zivilrechtliche Ehe, geschlossen vor einem deutschen Standesbeamten, nicht denkbar. Und Jesus konnte sich gewiss auch nicht vorstellen, dass Vergewaltigung in der Ehe ein Straftatbestand ist.

Das Verständnis von Ehe hat sich immer wieder verändert. Nach der 68er-Bewegung wollten sich Paare verabschieden vom Druck zu heiraten. Da wurde in „wilder Ehe“ gelebt, das galt als Inbegriff von modern. Ein Aufbegehren gegen „Ehe“ sollte den Weg öffnen hin zu frei gelebter Sexualität.

Offensichtlich hat sich das Bild von Ehe aber inzwischen so positiv gewandelt, dass auch homosexuell liebende Paare eine eingehen wollen. Das ist doch eine gute Nachricht! Und: keine einzige heterosexuelle Ehe wird dadurch gefährdet.

Heute sehen die meisten in der Ehe eine Partnerschaft, die zwei Menschen gleichberechtigt und rechtlich verbindlich eingehen, bei der sie auf Vertrauen, Verlässlichkeit und gegenseitige langfristige Verantwortung setzen. Die meisten evangelischen Landeskirchen teilen dieses Verständnis und führen kirchliche Trauungen von homosexuellen Paaren durch. Gut so!

Gegner erklären, der Begriff „Ehe“ müsse heterosexuellen Paaren vorbehalten bleiben, denn nur sie könnten Kinder zeugen. Wenn das alles passt, ist es wunderbar. Doch nicht alle heterosexuellen Ehepaare wünschen sich Kinder. Andere können leider keine bekommen.

Und ob ein Kind beim Vater und seinem Partner, bei den leiblichen Eltern oder bei Adoptiveltern aufwächst, ist nicht entscheidend für das Kindeswohl. Entscheidend ist, dass ein Kind die unhinterfragbare Liebe, Zuwendung und Aufmerksamkeit erhält, die es braucht, um gesund an Leib und Seele zu einem lebensfrohen selbstständigen Menschen heranzuwachsen.